Kompetenzgerangel im Freistaat: Landesverwaltungsamt ordnet Räumung der Flüchtlings-Halle in Hermsdorf an – Landesregierung sperrt sich

08.09.15 • AUS DER REGION, JEZT AKTUELL, START1 Kommentar zu Kompetenzgerangel im Freistaat: Landesverwaltungsamt ordnet Räumung der Flüchtlings-Halle in Hermsdorf an – Landesregierung sperrt sich

JEZT - Refugees Welcome - Gemeinsam Willkommenskultur gestalten - Symbolbild © MediaPool Jena

(JEZT /OTZ / ULF KAUFMANN) – Nachdem eine leer stehende Fabrikationshalle im Hermsdorfer Gewerbegebiet am Samstag im Auftrag des Landesregierung in eine Notunterkunft für rund 250 aus Ungarn in Saalfeld angekommene Flüchtlinge aus Ungarn hergerichtet worden war, ohne dass der Landrat des Saale-Holzland-Kreises oder der Bürgermeister von Hermsdorf hierüber informiert worden waren, kam gestern aus dem Thüringer Landesverwaltungsamt in Weimar die Anweisung, dass die Flüchtlinge Hermsdorf wieder zu verlassen haben. der Grund: Die Halle sei ungeeignet für die Unterbringung von Menschen, auch weil sie unbeheizt ist und die Nachttemperaturen auf 8 Grad Celsius sinken können.

Verwirrung darüber, wie es weitergeht, gab es daraufhin u. a. bei den Helfern des Deutschen Roten Kreuzes, die die Menschen aus den Kriegsgebieten rund um die Uhr zu betreuen haben. Der Vorstandsvorsitzende des DRK Jena-SHK, Peter Schreiber, sagte gegenüber der Ostthüringer Zeitung, offenbar gebe es zwischen dem Landesverwaltungsamt und dem Migrationsministerium Kompetenzrangeleien. Es fehle ein zentraler Koordinator, der die Abteilungen der unterschiedlichen Behörden zusammenführe.

Auch Lutz Schulze, Leiter des DRK-Freiwilligendienstes, war ärgerlich, denn es war nicht klar, wie der Einsatz in Hermsdorf weitergehen soll, weil es aus dem Ministerium keine Nachricht gab. Rund um die Uhr teilten sich 30 Helfer in der Halle in die Schichten. „In der Woche müssen wir sehen, wer sich frei machen kann. Die Leute haben ja alle Berufe“, sagte Schulze der OTZ. Zum Glück seien Studenten unter den Helfern, deren Uni erst im Oktober starte. Trotzdem: Solche Aktionen – rein in die Kartoffeln, raus aus den Kartoffeln – sind den Ehrenamtlern nur schwer zuzumuten, so Schulze in der Lokalzeitung.

Dass sie laut Anweisung des Landesverwaltungsamtes in die Görmar Kaserne Mühlhausen verlegt werden sollen, wo die Unterbringungsbedingungen für Familien mit Kindern, deutlich besser sind, als in der kalten Industriehalle, sagte man den Flüchtlingen in Hermsdorf nicht. Nur, dass plötzlich Busse vor er Halle standen, bekamen sie mit. Viele der Neuankömmlinge erkundeten gestern am Abend erst einmal die fremde Umgebung, in der sie seit Sonntagmorgen leben: ein unbewohntes Gewerbegebiet ohne große Abwechslung.

Dann am Nachmittag kam das Kommando „Zurück!“: In Mühlhausen sind inzwischen andere Migranten untergebracht worden, für die Flüchtlinge von Hermsdorf ist dort kein Platz mehr. Die bereitstehenden Busse fahren vom Hof ohne Passagiere. Wann die rund 250 Flüchtlinge in eine neue Unterkünfte verlegt werden, steht derweil noch nicht fest. Sicher ist nur eins: Die Halle in Hermsdorf, die mit bis zu 600 Feldbetten belegbar ist, wird vorerst der „Pufferspeicher“ in Thüringen bleiben, wie ein Sprecher der Landesregierung am Morgen mitteilte, egal, was das Landesverwaltungsamt bestimme. Der Grund: die nächsten Züge mit Flüchtlingen aus Ungarn kündigen sich schon an.

Hermsdorfs Bürgermeister Gerd Pillau sagte der OTZ, dass er kein Verständnis mehr habe für die Informationspolitik der Landesbehörden und ihren Umgang mit den freiwilligen Helfern vor Ort. Am ärgerlichsten ist aber ein Gerücht, dass in der Halle die Runde macht: In Hermsdorf mag man keine Syrer, heißt es. Man solle bloß nicht nach draußen gehen, das sei unter Umständen gefährlich. Viele Flüchtlings möchten das nicht so recht glauben, sind dennoch verunsichert.

Von Bodo Ramelow, der sie von München nach Thüringen geholt hat, haben sie in Hermsdorf noch nichts gesehen. Die „Rampensau“, wie man ihn auch nennt – Gewerkschafter, Ministerpräsident, Schlichter, Flüchtlings-Hero u.s.w. – weiß die Macht der Bilder für sich zu nutzen. Und in Hermsdorf gibt es wohl derzeit nicht die besten für ihn und seine Regierungskollegen.





Ein Kommentar

  1. weltoffen sagt:

    Danke lieber Landesvater für die hervorragende Planung. Die Befürchtungen von Gestern wurden schneller wahr als angenommen. So verunsichert man nicht nur die Flüchtlinge sondern auch die freiwilligen Helfer.

    Da aus der Staatskanzlei eh nix gescheites kommt kann man die Flüchtlinge auch dort unterbringen. Positiver Nebeneffekt: Durch die heiße Luft, die von unserer Landesregierung produziert wird, spart man sich auch in der Staatskanzlei die Heizung jedoch müssen die Flüchtlinge nicht frieren.

    Auf bald

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