Zwischen Anspruch und Wanderzirkus: „KÖRPER on Tour“ am Saaleufer ist keine „Körperwelten“-Ausstellung!

17.10.15 • INTERESSANTES, JEZT AKTUELL, START, UNSER JENAKeine Kommentare zu Zwischen Anspruch und Wanderzirkus: „KÖRPER on Tour“ am Saaleufer ist keine „Körperwelten“-Ausstellung!

JEZT - Koerper on Tour - Foto ©  Steward Dougal Medcare Exhibition Ltd

Ausstellungsraum von „KÖRPER on Tour“ – Foto © Steward Dougal Medcare Exhibition Ltd.

(JEZT AKTUELL / PE) – Von kommenden Donnerstag an gastiert die Ausstellung „KÖRPER on Tour“ für einige Tage auf dem Jenaer Festplatz Am Gries. Das, was der deutscher Anatom, Wissenschaftler und Unternehmer Gunther von Hagens einst erfunden hat, das Verfahren der Plastination (dies ist ein dauerhaften Konservierungsverfahren für tote Körper mittels Austauschs der Zellflüssigkeit durch reaktive Kunststoffe) zum Zwecke von anatomischen Studien an echten Objekten, hat sich weltweit inzwischen zu einem lukrativen Geschäftsmodell entwickelt, bei dem Anspruch und Sensationslust oft nicht mehr genau zu trennen ist.

JEZT - Koerper on Tour - Symbolbikd © MediaPool Jena

Symbolbikd © MediaPool Jena

Während von Hagens „Körperwelten“ für jedermann u.a. im vor knapp neun Jahren im brandenburgischen Guben eröffneten „Plastinartium“ weltweit einzigartig dargestellt werden – u.a. sind dort in einer aufwendig restaurierten ehemaligen Tuchmacherei auf 3.000 Quadratmetern die Geschichte der Anatomie, der Konservierungstechniken und die Entwicklung der Plastination sowie die anatomische Präparation und die Positionierung dargestellt – gehen andere Ausstellungen in ähnlicher Aufmachung aber weniger subtil in Art und Weise früherer Kuriositätenkabinette auf Reisen oder eben – wie nun in Jena – „on Tour“.

Zwar wirbt die Jenaer Wanderausstellung der Steward Dougal Medcare Exhibition Ltd. aus London auf ihrer Homepage für Organspenden, um Menschen in tödlicher Not zu helfen, aber das macht die AOK auch.  Ansonsten liest man auf der Webseite und im Rahmen der Ausstellung – sie läuft seit gestern in Gera, ist dort noch bis einschließlich morgen zu sehen und wurde von und besucht – „allgemein gehaltenes bis belangloses Geschwätz“, wie es ein Jenaer Anatom gestern bezeichnete, über den menschlichen Körper und dessen Geheimnisse sowie die Funktionen der Organe. Die Steward Dougal Medcare Exhibition Ltd. selbst beschreibt es so:

„Die Ausstellung KÖRPER (Die Lehre der Toten) vermittelt mit seiner über 200 Exponaten reichen Ausstellung , anatomisches Wissen an interessierte Besucher. Die einzigartige Sammlung besteht aus konservierten menschlichen Körpern, Organen und Moulagen. Das Wunder Mensch verstehen lernen. Einzigartige Einblicke in die Anatomie des menschliches Körpers werden von unseren Besuchern auf eine faszinierende und beeindruckende Weise aufgenommen. Keine unwürdige Zurschaustellung, sondern die Vermittlung von Wissen liegt im Focus.“

Die Eintrittspreise liegen mit 10 bis 15 Euro pro Person für gerade einmal 200 Exponate auch nicht gerade niedrig, wenn man sie mit denen des neuen „Menschen Museums“ Gunter von Hagens in Berlin oder eben dem Gubener „Plastinarium“ vergleicht, nur eben, dass man andernorts wirkliche Wissenschaft und Medizin-Erkenntnis für sein Geld geboten bekommt.





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