Rainer Sauer „Mein Vierteljahrhundert in Jena“ – Teil 8: Zeiss, der große Gründer und Innovator unserer Stadt (Fortsetzung vom Mai)

01.06.16 • INTERESSANTES, JEZT AKTUELL, KULTUR & BILDUNG, POLITIK & URBANES LEBEN, START, UNSER JENAKeine Kommentare zu Rainer Sauer „Mein Vierteljahrhundert in Jena“ – Teil 8: Zeiss, der große Gründer und Innovator unserer Stadt (Fortsetzung vom Mai)

JEZT - 200. Geburtstag von Carl Zeiss - Symbolfoto © ZEISS

JEZT - Mein Vierteljahrhundert in Jena TeaserIn meinem Vierteljahrhundert in Jena musste ich auch meine Eindrücke zu Carl Zeiß revidieren. Dachte ich 1991 noch, dass er lediglich ein genialer Erfinder war, dem unsere Stadt einen Teil ihrer Weltbekanntheit zu verdanken hatte, so begriff ich nur wenig später, dass es eine „Philosophie der Zeissianer“ gab, die die Jahrzehnte übedauerte und etwas mit Sorgfalt, Ehre, Prinzipien und Stolz zu tun hatte.

Im September begeht Jena den 200. Geburtstag von Carl Zeiß und das ist Grund genug, ihm heute noch ein paar Worte zu widmen, denn er ist das Vorbild einer wahren Gründerpersönlichkeit, die nicht nur innovative Ideen hatte, sondern auch in der Lage war, für sich und seine Vision selbst Verantwortung zu übernehmen LESEN SIE HIER DEN ANFANG DER GESCHICHTE!

Zeiß suchte lange nach einem geeigneten Partner und fand ihn 1866 in dem talentierten Physiker Ernst Abbe, der in Jena als Privatdozent wirkte. Die Zusammenarbeit zwischen dem damals über 50-jährigen Zeiß und dem Mitt-Zwanziger Abbe brauchte drei Jahre um das gewünschte Ergebnis hervorzubringen. Äußerlich hatten sich die Zeiß-Mikroskope kaum gegenüber den Anfängen verändert, aber wegen der von Zeiß und Abbe gemeinsam
weiterentwickelten rationelleren Fertigung konnten mit dem gleichen Personal mehr Objektive hergestellt werden, so dass deren Preis um 25 % sank.

Trotzdem waren noch viele Schwierigkeiten zu überwinden, bis es im Jahre 1872 endlich im Katalog Nr. 19 der Firma Zeiß hieß: „Die hier aufgeführten Mikroskop-Systeme werden von keinem Konkurrenzprodukt mehr übertroffen.“ Das schlug sich nun auch im Preis nieder: Kostete 1871 das beste Mikroskop aus der Werkstatt 127 Taler, musste man nur ein Jahr später bereits knapp 390 Taler für das Spitzenmodell bezahlen. Mit wachsender Größe des Betriebs und der Zahl der Mitarbeiter wurden die Arbeitsbedingungen bei der Firma Carl Zeiß aber immer besser. Im Jahre 1875 wurde die Zeiss-Krankenkasse gegründet, die jedem Werksangehörigen im Krankheitsfalle freie Behandlung durch einen Kassenarzt sowie den kostenlosen Bezug von Medikamenten garantierte.

Als im Oktober 1876 die Fertigstellung des 3000. Mikroskops gefeiert wurde, war Ernst Abbe bereits Teilhaber der Firma. 1883 wurde der Katalog Nr. 26 – inzwischen ein gebundenes, repräsentatives Buch
von 80 Seiten mit vielen Abbildungen – in einer Auflage von 5.000 Exemplaren gedruckt. Die Firma hatte Wiederverkäufer sogar in London, die oft 40 und mehr Objektive auf
einmal orderten.

Carl Zeiß ließ, bereits gesundheitlich angeschlagen, die Fertigstellung des 10.000. Mikroskops im September 1886 mit allen Werksangehörigen samt Ehefrauen, groß feiern: ein rauschendes Fest, über das man in Jena noch nach Jahrzehnten sprach. Danach setzte bei ihm ein Kräfteverfall ein. Nach mehreren Schlaganfällen im letzten Viertel des Todesjahres starb er am 3. Dezember 1888.

Begehen wir seinen 200. Geburtstag im September 2016 in unserer Stadt also würdig!

In diesem Sinne:

Ihr

Rainer Sauer





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