„Logik zwischen Spock und Hegel“: Philosoph der Universität Jena veröffentlicht Buch zur „Philosophie in Star Trek“

29.07.16 • JEZT AKTUELL, KULTUR & BILDUNG, NEWSCONTAINER, START, UNSER JENAKeine Kommentare zu „Logik zwischen Spock und Hegel“: Philosoph der Universität Jena veröffentlicht Buch zur „Philosophie in Star Trek“

JEZT - Die USS Enterprise aus Star Trek und die Philosophie Hegels verbindet der Jenaer Philosoph Prof. Dr. Klaus Vieweg in seinem neuen Buch. - Foto © FSU Kasper

Die USS Enterprise aus Star Trek und die Philosophie Hegels verbindet der Jenaer Philosoph Prof. Dr. Klaus Vieweg im neuen Buch „Wozu braucht Gott ein Raumschiff?“- Symbolfoto © FSU Jan-Peter Kasper

JEZT Logo Forschung an der FSUZu vergeistigt, zu intellektuell – mit diesem Urteil lehnte der Fernsehsender NBC die Pilotfolge „Der Käfig“ der Serie „Star Trek“ 1965 ab. Erst nach einigen Veränderungen konnte das Raumschiff USS Enterprise ein Jahr später seinen Siegeszug durch die Popkultur antreten. Doch trotz der Zugeständnisse, die Grundidee änderte der Erfinder der Serie Gene Roddenberry nicht. Seine philosophischen, ethischen und politischen Ideen wollte der Amerikaner unterhaltsam verpackt den Zuschauern vermitteln, der Gesellschaft den Spiegel vorhalten und ihnen eine erstrebenswerte Utopie geben. Dank dieser Dimensionen ist Star Trek bis heute erfolgreich und so viel mehr als nur eine Fernsehserie.

Die Besatzung veranschaulicht die Idee des Universalismus

Zum 50. Jubiläum beschäftigt sich der Philosoph Prof. Dr. Klaus Vieweg von der Friedrich-Schiller-Universität Jena in seinem neuen Buch „Die Philosophie in Star Trek“ mit dieser Metaebene, auf der sich die Enterprise bewegt. Gemeinsam mit seiner Tochter, der Illustratorin Olivia Vieweg, spürt er dabei den Parallelen zwischen dem Star Trek-Universum und den Theorien berühmter Denker nach. Ausgehend von einzelnen Episoden der Originalserie spaziert der Jenaer Philosoph leichtfüßig durch die Welt von Kirk und Kant und offenbart, wie vielschichtig Figuren und Motive in Star Trek sind. Schon die Zusammenstellung der Besatzung veranschaulicht die Idee des Universalismus, die im gesamten Star-Trek-Universum herrscht. Alle Wesen mit einem freien Willen – nicht nur die Menschen – sind gleich. In einer Zeit Mitte der 1960er Jahre, in der auf der Erde der Kalte Krieg seine Hochphase erlebt und die Diskriminierung von Schwarzen in Amerika lange nicht überwunden ist, sitzen auf der Brücke der Enterprise die dunkelhäutige Kommunikationsoffizierin Uhura neben dem russischen Navigator Chekov und dem asiatischstämmigen Lieutenant Sulu.

„Logik ist der Anfang aller Weisheit“

JEZT - Das Buch Wozu braucht Gott ein Raumschiff von Klaus Vieweg und Olivia Viehweg - Abbildung © MediaPool JenaEin Besatzungsmitglied hat es Vieweg besonders angetan: „Mein spezielles Interesse für die Figur des Ersten Offiziers Mr. Spock – dem philosophischen Kopf der Enterprise – liegt in dessen Credo ,Logik ist der Anfang aller Weisheit‘ begründet“, sagt der Jenaer Philosoph. Spocks Denken ähnelt in vielerlei Hinsicht der Philosophie Georg Wilhelm Friedrich Hegels, die im Mittelpunkt der wissenschaftlichen Arbeit Klaus Viewegs steht. Hegel und Spock teilen die Maxime, dass nur die Vernunft Grundlage für echtes Wissen sein kann und nur durch sie richtige Entscheidungen getroffen werden können. Als Sohn eines Vulkaniers lebt er das Rationale nahezu übertrieben aus. Als Sohn einer menschlichen Mutter allerdings ist er auch mit einer Portion Emotionalität ausgestattet, die ihn mit zwei Eigenschaften versorgt, die auf der Enterprise dringend notwendig sind: Mut und Humor. Letzterem widmet Vieweg ein ganzes Kapitel und zeigt, dass Mr. Spock – ähnlich Hegel – durchaus eine feinsinnige Vorstellung davon hat, was lustig ist, und nicht etwa zum Lachen in den Keller geht, sondern dafür eher seine Augenbraue nach oben zieht.

Der Autor belässt es in den neun Essays nicht nur bei Ausflügen ins Star Trek-Universum sondern führt immer wieder weitere Beispiele aus der Kulturgeschichte an. Zudem lockern die sehr pointierten Illustrationen seiner Tochter, durch die der Philosophie-Professor zum Star Trek-Fan geworden ist, die Lektüre auf. Olivia und Klaus Vieweg ist es gelungen, gleich zwei Welten mit ihrem Buch zu öffnen: Zum einen ermöglichen sie einen frischen Zugang zu einigen Grundfragen der Menschheit und damit zu Klassikern der Philosophie. Zum anderen legen sie die tiefsinnigen und hochaktuellen Inhalte der Star Trek-Reihe frei, die zunehmend unter dem Bombast des Action-Kinos verschüttgegangen sind. Oder wie es Spock ganz simpel ausdrücken würde: „Faszinierend!“

Wer mehr über das neue Buch und das Thema erfahren möchte, hat dazu z. B. am 29. August, 18 Uhr die Möglichkeit. Dann halten Olivia und Klaus Vieweg zusammen mit dem Physiker Prof. Dr. Alexander Szameit anlässlich des Star Trek-Abends im Zeiss-Planetarium Jena einen Vortrag zum Thema „Die Philosophie in Star Trek“. Weitere Informationen dazu gibt es HIER.

Bibliografische Angaben: Klaus Vieweg und Olivia Vieweg „Wozu braucht Gott ein Raumschiff? Die Philosophie in Star Trek“, erschienen bei Cross Cult, Ludwigsburg 2016 im Umfang von 303 Seiten zum Preisvon 16 Euro (= ISBN 978-3-86425-865-7).





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