„Wir wollen nicht mehr stumm bleiben …“: UnterstützerInnen des FF USV Jena sind extrem besorgt um die Zukunft des Vereins

17.07.17 • JEZT AKTUELL, POLITIK & URBANES LEBEN, SPORT, START, UNSER JENAKeine Kommentare zu „Wir wollen nicht mehr stumm bleiben …“: UnterstützerInnen des FF USV Jena sind extrem besorgt um die Zukunft des Vereins

Eine abgelaufene Spielsaison, bei der ein Abstieg aus der Frauenfußballbundesliga nur dadurch vermieden wurde, dass andere Mannschaften noch desolater waren, viele Abgänge von Leistungsträgerinnen vor dem Saisonstart 2017/2018, teilweise mit Groll in der Brust, die Furcht der Fans, dass ihr Verein in den kommenden Monaten zum „Fallobst“ werden könnte und sang- und klanglos untergehen kann. So lässt es sich umschreiben, welche Gründe dazu geführt haben, dass einige der UnterstützerInnen des FF USV Jena nun einen schweren Schritt gegangen sind und sich mit einem offenen Brand-Brief an Vereinsführung und Öffentlichkeit gewandt haben. Hier der Brief im Wortlaut:

Sehr geehrter Herr Geschäftsführer Jens Roß, sehr geehrter Vorstand des FF USV Jena,

wir, die Fans des FF USV Jena, sind besorgt. Unser Verein, er steckt in der Krise. Dies nicht erst seit gestern; und auch wenn von Seiten der Vereinsführung immer wieder betont wird, dass wir auf einem guten Weg sind, wissen wir doch alle und betrachten mit Sorge, dass es von Saison zu Saison schwieriger wird, 1.) die Klasse in Deutschlands höchster Liga zu halten und 2.) wirtschaftlich zu bleiben. Die Abgänge, die Jahr für Jahr mehr und hochkarätiger werden, sprechen da eine deutliche Sprache.

Umso mehr macht es uns Angst, dass sich trotz zahlreicher Versprechungen durch Sie, die Vereinsführung, an unserer Situation kaum etwas zum Guten zu wenden scheint. So hat man beispielsweise bislang nichts davon gemerkt, dass Präsidentin Dr. Kraußlach ein gutes und großes Netzwerk an Kontakten und potentiellen Sponsoren mitbringt, womit für ihre Person in dieser Funktion geworben wurde.

Es fehlt dem Anschein nach weiterhin an allen Ecken und Enden an Geld, ganz zu Schweigen von der Tatsache, dass der Verein immer noch keinen Hauptsponsor hat, was seit Jahren als Ziel ausgegeben wird. Im Gegenteil: Fast hat man das Gefühl, dass Sponsoren eher sogar an Interesse am Frauenfußball verlieren, was Fragen nach den Ursachen aufwirft.Auch die Versprechung des Geschäftsführers Roß, „überregional präsenter zu werden“, um mehr und größere Partner anzulocken, scheint bislang nicht umgesetzt worden zu sein. Weder hört man, dass der Verein sich auf großen öffentlichen Veranstaltungen außerhalb Jenas bzw. gar Thüringens präsentiert, noch liest man, dass Sponsoren, die nicht im unmittelbaren Umfeld des Vereins aktiv sind, gewonnen werden.

Selbst kleinere Vorschläge, die auch aus unseren Reihen an die Vereinsführung herangetragen werden, wie Infostände an der Uni, Präsenz auf Stadtfesten oder Märkten, scheinen stets mit „zu viel Aufwand“ verbunden zu sein und kommen nicht zustande.Ein wahres Eigentor schoss sich der Verein dann aber in den vergangenen Wochen, als unsere Dritte, die Amateurabteilung des Vereins, kurzfristig vor die Tür gesetzt wurde. Man begründete diesen Schritt mit „zu hohem administrativen Aufwand“, was allein schon fragwürdig erscheint. Viel bedenklicher ist jedoch das Resultat dieser ganzen Geschichte. Bekanntlich wechselte die Mannschaft des FF USV Jena III geschlossen zum „großen Nachbarn“ und ist künftig die erste Frauenmannschaft des FC Carl Zeiss Jena. Natürlich ist es schön, dass der Spielbetrieb somit aufrecht erhalten bleibt und das Team von Mario Hollmann nicht auseinanderbricht. Die eigentlichen Probleme stehen unserem Verein wohl nun aber erst noch ins Haus. – Folgende Szenarien bauen sich bereits im Kopf auf:

1) Die Fusion der beiden Fußballvereine

Der FC Carl Zeiss Jena erhielt als Auflage, innerhalb des nächsten Spieljahres einen weiblichen Nachwuchs aufzubauen. Bereits jetzt haben viele Mädels in den jüngeren Jugendteams ein Doppelspielrecht sowohl für den FCC als auch den USV. Was wird passieren, wenn die Nachwuchsabteilung des FC Carl Zeiss plötzlich asugebaut werden muss und diese Talente herangezogen werden? Es braucht nicht viel Fantasie dafür, dass die Mehrheit wohl künftig unter Zeiss-Flagge spielen und unsere eigene Nachwuchsarbeit vor großen Problemen stehen wird. Durch den vor kurzem beschlossenen Kooperationsvertrag zwischen Zeiss und dem FF USV scheint alles in die Richtung zu laufen, dass ohnehin angedacht ist, in gar nicht allzu langer Zeit alles unter einem Dach zu haben. Die Fusion zwischen Zeiss und dem USV, die seit Jahren durch die Medien geistert, rückt näher, was uns in die Abhängigkeit des Gesamtvereins schicken würde. Es ist kein Geheimnis, dass die Mehrheit der Fans dies nicht gutheißen würde. Wir sind der FF USV Jena, ein eigenständiger Frauenfußballverein, der bisher unabhängig überlebt hat und darauf sind wir stolz. Schaut man sich die Frauenfußballlandkarte an, dann sieht man, dass Vereine wie der FF USV im Profibereich mittlerweile Seltenheitswert haben und diese Besonderheit gilt es zu beschützen.

2) Das totale Aus

Die Alternative sieht gar noch schlimmer aus. Durch die nunmehr eigene Frauenmannschaft des FC Carl Zeiss Jena könnte die Fusion sogar gänzlich vom Tisch sein, was für unseren Verein wohl noch härtere Konsequenzen hätte. Wenn der FCC im Frauenfußball ankommt und die Sache ernstnimmt, dann wird er eigene Pläne verfolgen und ist dabei vielleicht gar nicht auf unseren Verein angewiesen. Wenn die Nachwuchsabteilungen des gemeinsamen Leistungszentrums an Zeiss fallen, die oberen Mannschaften in der ersten und zweiten Bundesliga jedoch nicht eingegliedert werden, dann wäre auch das Aussterben des FF USV Jena nicht unmöglich. Zeiss würde in diesem Fall eine völlig eigene Abteilung ohne uns aufbauen.

Diese Punkte völlig außer Acht lassend, kommt die Abmeldung der dritten Mannschaft vor einigen Wochen in nicht mehr als einer Randnotiz daher. Ist dies eine Art, die Arbeit eines Trainers Hollmann zu würdigen, der mit seiner Mannschaft – Amateurebene hin oder her – Jahr für Jahr alles gibt und steter Favorit auf den Titel des Thüringenmeisters ist?

Auch das Interview mit Julia Arnold und Amber Hearn, zwei Spielerinnen, die sich in den letzten elf beziehungsweise sechs Jahren um unseren Verein verdient gemacht haben, gibt Teile des Problems wieder. In unseren Augen ist gut und richtig, dass die beiden mit ihren Aussagen an die Öffentlichkeit gegangen sind, haben sie doch Recht mit dem, was sie sagen! Sei es der Fall unserer vom Hof gejagten Dritten oder aber das Vergraulen von Spielerinnen, für die Jena zur Heimat geworden ist.

Liebe Vereinsführung, in unseren Augen wird es Zeit! Nach den jüngsten Entwicklungen dürfen und wollen wir einfach nicht mehr stumm bleiben. Als Fanclub des Vereins verkörpern wir genau das, was auch Ihre Aufgabe ist: Leidenschaft, Aufopferung und bedingungslose Liebe zum FF USV Jena! Diese Liebe zu unserem Verein zwingt uns, diesen offenen Brief zu schreiben, denn wir haben Angst. Angst um die Zukunft, um unser Überleben, von dem für uns Fans so viel mehr abhängt, als für Personen wie Sie, die ein Amt bekleiden und weiterziehen können, wenn dieses Amt nicht mehr existiert.

Wir Fans des FF USV Jena betrachten die derzeitige Vereinspolitik mit Sorge. Sagt man im Normalfall, dass es gut ist, wenn man lange nichts hört, da dies bedeutet, dass im Hintergrund ohne viel Aufsehen gearbeitet wird, hat man in Jena das Gefühl, dass schlichtweg nichts passiert. Dem sogenannten „administrativen Aufwand“ steht eine unglaubliche Passivität gegenüber. Die Frage, die sich stellt – wenn Spielerinnen und Fans, die dem Verein verbunden und mit wohlgesonnen gegenüberstehen, schon bemerken, dass alles, was hier passiert halbherzig und lustlos erscheint, wie muss das erst auf Neutrale wirken? Wie schafft man es, neue Partner von unserem Verein zu überzeugen und den Funken der Leidenschaft zu entzünden, die es im Frauenfußball nun einmal braucht, wenn im eigenen Herzen die blau-weiße Flamme nicht hell und leuchtend brennt? Es ist Zeit, den Dornröschenschlaf zu beenden, in dem sich unsere Vereinsoberen zu befinden scheinen.Ja, die Situation in Jena ist schwierig. Das wissen auch wir Fans nicht erst seit gestern. Schauen wir jedoch auf andere Vereine, dann wissen wir ebenso, dass es möglich ist, in einer Lage wie der unseren zu überleben und sogar erfolgreich zu sein, wenn Einsatz und Wille da sind.

Wir sind überzeugt davon, dass unser Verein ein enormes Potential hat. Situiert in der Mitte von Deutschland, ausgestattet mit einem Nachwuchsleistungszentrum und einer international renommierten Universität als Partner – dies ist nicht nur selten, sondern einzigartig in Deutschland! Kombiniert mit den Jenaer Kernkompetenzen: in erster Linie der menschliche Umgang, unbändiger Kampfeswille, Leidenschaft und Aufopferung trotz fehlender finanzieller Mittel. Kernkompetenzen, die der FF USV sportlich seit Jahren lebt, die zu einem Markenzeichen geworden sind, wofür wir unsere Spielerinnen bewundern. Ja, in Jena ist vieles möglich.Liebe Vereinsführung, wir appellieren an Sie. Leben Sie die Werte unseres Vereins, so wie die Spielerinnen und Trainer es tun, so wie wir Fans es tun. (…)

Lassen Sie unseren Verein nicht sterben!

Verschiedene Unterzeichner, darunter der Fanclub FF USV Jena“ Powerfrauen im Paradies“. Wer hierauf antworten oder Unterstützung zeigen möchte, der wende sich bitte an diese Facebookseite oder direkt an: fanbetreuungffusvjena @ gmx.de.





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