„Man lernt nie aus“: Lehrer paukten in den Ferien in Stadtroda das Fach „Leben retten“

08.08.17 • AUS DER REGION, JEZT AKTUELL, NEWSCONTAINER, START, UNSER JENA, UNSER JENA & DIE REGION, WISSENSCHAFT, MEDIZIN & TECHNIKKeine Kommentare zu „Man lernt nie aus“: Lehrer paukten in den Ferien in Stadtroda das Fach „Leben retten“

Thomas Fricke, Arzt aus dem Reanimationsausbildungsteam der Klinik für Anästhesiologie und Intensivmedizin des Universitätsklinikums Jena. – Foto © UKJ Szabó

(JEZT/tak) – Gestern startete am Stadtrodaer Gymnasium „Johann Heinrich Pestalozzi“ ein Pilotprojekt. Thomas Fricke, Arzt aus dem Reanimationsausbildungsteam der Klinik für Anästhesiologie und Intensivmedizin des Universitätsklinikums Jena (UKJ) sowie die beiden Intensivschwestern Yvonne Hutmann und Silvia Schmeißer-Fuchs werden an der Schule Lehrer in Wiederbelebungsmaßnahmen, sowie im Umgang mit Defibrillatoren anhand von Übungspuppen schulen. Der Unterricht für die Lehrer dauerte von 10 bis 12 Uhr und fand direkt im Gymnasium in der Schlossstraße in Stadtroda statt. Journalisten sind zu dem Termin herzlich eingeladen.

„Der plötzliche Herztod ist eine der häufigsten Todesursachen in Deutschland“, sagt der Unimediziner Fricke. Etwa 80.000 bis 100.000 Menschen sterben im Jahr daran. Der entscheidende Faktor bei der Reanimation ist die Zeit. „Je schneller die Wiederbelebungsmaßnahmen ergriffen werden, desto höher ist die Überlebenschance“, sagt Fricke. Ist jemand nicht mehr ansprechbar und atmet nicht mehr, dann sollte sofort mit der Herzdruckmassage begonnen werden. Dazu ist es erforderlich „100 bis 120 Mal pro Minute, fünf bis sechs Zentimeter tief auf den Brustkorb zu drücken“, sagt Fricke. Leider werde dies in Deutschland noch immer viel zu wenig umgesetzt. Aus Angst etwas falsch zu machen unterbleibt zu oft jegliche Hilfe. In Deutschland werden gerade einmal 15 bis 20 Prozent dieser Patienten von Notfallzeugen versucht wiederzubeleben. Wenn man über die deutschen Grenzen hinweg schaut, z.B. zu den skandinavischen Ländern, gibt es dort eine Laienhelferquote von bis 50 bis 70 Prozent. Ein Hauptproblem in Deutschland ist, dass bis zur Ankunft des Rettungsdienstes sechs bis zwölf Minuten vergehen. Das Gehirn, eines der sauerstoffempfindlichsten Organe, aber schon nach drei bis fünf Minuten ohne Blutfluss unwiederbringlich zu sterben beginnt. Eine unmittelbar einsetzende Herzdruckmassage von 100 Mal pro Minute verdreifacht bereits die Überlebenswahrscheinlichkeit des Betroffenen.

Fricke hat jetzt das Pilotprojekt an dem Stadtroder Gymnasium ins Leben gerufen. 40 der insgesamt 43 Lehrer wurden am Montag in Wiederbelebung beschult. Unterstützt wird das Vorhaben auch von der Asklepios Fachklinik Stadtroda, welche insgesamt acht Übungspuppen sponsert. Ziel ist es, durch Schulung in den Basismaßnahmen der Herz-Lungen-Wiederbelebung die Quote der Laienreanimationen in Deutschland anzuheben. „Gerade die Aufnahme dieses Lerninhaltes in den Lehrstoff ist hierbei der entscheidende Ansatz, da die so ausgebildeten Lehrer und Schüler unmittelbar als Multiplikatoren dienen und somit ein großer Teil der Bevölkerung erreicht wird“, sagt Fricke. Mit diesem Projekt wird die Idee der Initiative der Deutschen Anästhesie in Kooperation mit dem German Resuscitation Council in die Praxis umgesetzt, die die Aufnahme des Themas „Wiederbelebung bei einem plötzlichen Herzstillstand“ ab der Jahrgangsstufe 7 im Unterricht fordert.

In der unter der Schirmherrschaft des Bundesgesundheitsministeriums stattfindenden „Woche der Wiederbelebung“ vom 18. bis 24. September 2017 sollen nun auch erstmals Gymnasiasten in Stadtroda in Wiederbelebung und im Umgang mit Defibrillatoren von ihren Lehrern unterrichtet und trainiert werden. Unterstützt werden sie hierbei vom Reanimationsausbildungsteam der Klinik für Anästhesiologie und Intensivmedizin des UKJ. Ab dem beginnenden Schuljahr soll dieses Thema dann zum regulären Unterrichts- und Prüfungsstoff zählen.

Schulleiterin Steffi Xylander findet, „dass Reanimation ein ganz wichtiges gesellschaftliches Thema ist.“ Deshalb ist sie dem UKJ für den lebensrettenden ehrenamtlichen Unterricht für das Lehrerkollegium sehr dankbar. Erst kürzlich hat die Schule zwei Defibrillatoren gesponsert bekommen. Der Umgang mit den Geräten, die per Stromstoß einen nicht mehr pumpenden Herzmuskel wieder aktivieren können, muss aber jetzt erst geübt werden.





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