„Kommunikationspanne“: SPD-Kanzlerkandidat Martin Schulz war bei der AWO in Jena, doch kaum jemand getraute sich Fragen zu stellen

10.08.17 • JEZT AKTUELL, NEWSCONTAINER, POLITIK & URBANES LEBEN, START, UNSER JENAKeine Kommentare zu „Kommunikationspanne“: SPD-Kanzlerkandidat Martin Schulz war bei der AWO in Jena, doch kaum jemand getraute sich Fragen zu stellen

(Thomas Roth) – Nach Murphys Gesetz wird alles, was schiefgehen kann, auch tatsächlich schiefgehen (Im Original: „Anything that can go wrong will go wrong.“) oder anders nach Jürgen Wegmanns Fußballerweisheit ausgedrückt: „Erst hatten wir kein Glück, dann kam auch noch Pech hinzu.“

So war dieser Tage SPD-Kanzlerkandidat Martin Schulz – der sich ja bekanntlich in letzter Zeit in einem kleinen Abwind befindet, was die Wählergunst betrifft – im Rahmen seiner „Sommerreise durch den Osten“ in unserer Stadt und besuchte das AWO-Mehrgenerationenhaus in Jena-Lobeda. Mit den dortigen Senioren sollte der SPD-Vorsitzende und -Hoffnungstraäger über Gerechtigkeit sprechen – so hatte es jedenfalls sein Wahlkampfteam vorgesehen.

Dass die Gesprächsrunde indes nicht ganz so herzlich ausfiel, wie Schulz es sich vielleicht gewünscht hätte, lag an einer „Kommunikationspanne“, wie die Arbeiterwohlfahrt gestern bekannt gab, denn im Vorfeld des hohen Besuchs wurde an die Bewohner des AWO-Hauses ein Zettel verteilt, dessen Inhalt den Rentnern nahe legte, sich bei Redebeiträgen an das Thema Gerechtigkeit zu halten. So weit, so gut. Aber dann war zu lesen, dass man des SPD-Vorsitzenden doch bitte nicht zum Thema Flüchtlinge befragen solle. Für einige der Bewohner des Mehrgenerationenhauses war dies keine „Kommunikationspanne“, sondern schlicht eine Art Maulkorb, weshalb sie zwar am Termin teilnahmen, aber kaum noch Lust hatten, Martin Schulz zu befragen.

Der ominöse Zettel wiederum stelle nach Ansicht der Jenaer AWO eine eher „unglückliche Kommunikationsempfehlung“ dar und man bedauere „zutiefst die missglückte Kommunikation“ gegenüber den Bewohnern des Mehrfamilienhauses, „die zu der öffentlichen Aufregung führte“. Beim SPD-Spitzenkandidaten habe man sich hierfür in aller Form entschuldigt, so Wolfgang Stadler – immerhin Bundesvorsitzender der Arbeiterwohlfahrt in Deutschland – gegenüber der Ostthüringer Zeitung. Bei anderen Veranstaltungen mit Kandidaten aller Parteien spiele das Thema Flucht stets eine große Rolle, versicherte der AWO-Chef der Lokalzeitung.

Die Entschuldigung in Richtung Schulz wurde fällig, da der sich bereits über die knappen Redebeiträge in Jena gewundert hatte, bot er den Senioren während des Termins doch an, dass man über alles sprechen könne. Als die „Kommunikationspanne“ später als „Maulkorb“ ihre Social-Media-Runde drehte, ließ der Kanzlerkandidat über seinen Sprecher schnell mitteilen, er sei „empört“ gewesen, als er von dem Zettel an die Bewohner des AWO-Mehrgenarationenhauses erfahren habe.





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