„Auf der Suche nach dem Fingerabdruck der Ernährung“: Bundesministerium fördert FSU-Nachwuchsgruppe „Nutritional Concepts“

10.10.17 • INFOS FÜR STUDIERENDE, INTERESSANTES, JEZT AKTUELL, NEWSCONTAINER, START, UNSER JENA, WISSENSCHAFT, MEDIZIN & TECHNIKKeine Kommentare zu „Auf der Suche nach dem Fingerabdruck der Ernährung“: Bundesministerium fördert FSU-Nachwuchsgruppe „Nutritional Concepts“

Ernährungswissenschaftlerin Dr. Christine Dawczynski leitet die neue Nachwuchsgruppe „Nutritional Concepts“. – Foto © FSU Jena Anne Günther

Vegetarier, Veganer, Flexitarier – die Art und Weise, wie sich Menschen ernähren, ist sehr unterschiedlich, sei es aus gesundheitlichen, ethischen oder anderen Gründen. Die einen essen viel Fleisch, andere verzichten völlig auf tierische Lebensmittel. Doch egal welche Ernährungsweise man bevorzugt, es besteht leicht die Gefahr, bestimmte Lebensmittel wegzulassen, die den Körper mit wichtigen Inhaltsstoffen versorgen. So müssen Veganer Alternativen finden, um einem Mangel an Vitamin B12 vorzubeugen, da sie diesen wichtigen Nährstoff aufgrund des Verzichts auf tierische Lebensmittel meist nicht in ausreichenden Mengen aufnehmen. Zwar gibt es für die meisten Ernährungsformen eine Unmenge an Ratgebern, sowohl in Buchform als auch im Internet, aber eine valide wissenschaftliche Datenbasis ist nur ansatzweise vorhanden.

Ernährungswissenschaftler der Friedrich-Schiller-Universität Jena wollen das jetzt ändern. In den kommenden fünf Jahren erarbeitet die Nachwuchsgruppe „Nutritional Concepts“ gezielt Ernährungskonzepte für verschiedene Ernährungstypen. Diese Leitlinien werden durch Humaninterventionsstudien wissenschaftlich validiert. Die Gruppe ist am Kompetenzcluster für Ernährung und kardiovaskuläre Gesundheit (nutriCARD) der Universitäten Jena, Halle und Leipzig angesiedelt und wird vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) mit knapp 2,7 Millionen Euro unterstützt. „Unser Ziel ist es, Ernährungskonzepte für gesunde Personen mit unterschiedlichen Ernährungsgewohnheiten zu entwickeln, mit denen sichergestellt werden kann, dass sie alle notwendigen Nährstoffe in ausreichender Menge aufnehmen“, erklärt Dr. Christine Dawczynski, die Leiterin der neuen Nachwuchsgruppe. „Die Konzepte werden basierend auf einem umfangreichen Screening entwickelt und anschließend im Rahmen einer zwölfmonatigen Humanstudie validiert.“

Die Büste Friedrich Schillers vor der alten Jenaer Universität. – Foto © MediaPool Jena 2003

Um die Aussagekraft ernährungsassoziierter Studien dauerhaft zu verbessern, konzentriert sich die Nachwuchsgruppe darauf, Biomarker zu identifizieren und zu validieren, die bestimmte Ernährungsmuster verlässlich reflektieren. „Unsere erste Studie zielt darauf ab, ernährungsassoziierte Biomarker zu etablieren, die die Angaben der Studienteilnehmer hinsichtlich ihrer Ernährungsgewohnheiten komplettieren und ergänzen. Auf dieser Weise möchten wir validere Zusammenhänge zwischen der Nährstoffzufuhr und dem Gesundheitszustand erkennen“, erläutert Dawczynski. So lassen sich etwa Omega-3-Fettsäuren marinen Ursprungs bereits gut im Blut nachweisen – ähnliches wollen die Forscher nun auch für den Konsum von ballaststoffreichem Getreide, Fleisch, Milchprodukten, Schokolade, Fast Food oder Gemüse und Obst erreichen. „Wir wollen Biomarkerprofile als eine Art Fingerabdruck des Ernährungsmusters etablieren, um dadurch Probandengruppen besser charakterisieren zu können und den Einfluss der Ernährungsmuster stärker in der Auswertung der Studienergebnisse berücksichtigen zu können“, erklärt die Jenaer Ernährungswissenschaftlerin. Perspektivisch sollen diese etablierten Biomarker auch in den großen Kollektiven von Kohortenstudien gemessen werden, um dort den Zusammenhang zwischen bestimmten Ernährungsweisen und dem Auftreten von Erkrankungen zu ermitteln.

„Das zur Verfügung stehende Budget erlaubt es uns, in den kommenden fünf Jahren Humaninterventionsstudien mit fast 1000 Studienteilnehmern durchzuführen, um die genannten Fragestellungen zu bearbeiten“, informiert Dawczynski. Dabei entsteht ein großer Pool an Daten, auf den die Jenaer Ernährungswissenschaftler auch in Zukunft zurückgreifen können. Die erarbeiteten Ernährungskonzepte sollen zudem der Öffentlichkeit zur Verfügung gestellt werden. Aufbauend auf der neugeschaffenen Nachwuchsgruppe soll am Institut für Ernährungswissenschaften ein Studienzentrum zur Durchführung ernährungsassoziierter Humaninterventionsstudien eingerichtet werden. „Die Nachwuchsgruppe bereichert das Institut und den Kompetenzcluster nutriCARD. Die vom BMBF geförderten Vorhaben tragen maßgeblich dazu bei, sowohl das Forschungsgebiet als auch die Disziplin der Ernährungswissenschaften hier in Jena nachhaltig zu stärken“, sagt Prof. Dr. Stefan Lorkowski, der Jenaer Koordinator des Kompetenzclusters nutriCARD. „Denn gerade wenn es um so etwas Elementares wie unsere Ernährung geht, ist es bedeutsam zu betonen, wie wichtig evidenzbasierte wissenschaftliche Studien sind.“





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