„Jena bekommt eine Fußballarena“: Die Möglichkeit zur Unterbringung der Heimfans in der Südkurve ist das große Thema, auch in den nächsten Wochen

28.11.17 • JEZT AKTUELL, NEWSCONTAINER, POLITIK & URBANES LEBEN, SPORT, START, UNSER JENAKeine Kommentare zu „Jena bekommt eine Fußballarena“: Die Möglichkeit zur Unterbringung der Heimfans in der Südkurve ist das große Thema, auch in den nächsten Wochen

„Vorliegende Beschlüsse zum Sachverhalt“ heißt es immer lapidar auf den Deckblättern von Stadtratsvorlagen und im Falle des neuen Fußballstadions in unserer Stadt, das auf dem ehemaligen Ernst-Abbe-Sportfeld errichtet werden soll, sind dies nicht wenige. So etwa eine mit dem Titel „Umbau des Ernst-Abbe-Sportfeldes in eine DFL-taugliche Fußballarena“ oder eine zu den Grundsätzen des Vergabeverfahrens oder gleich vier mit dem Titel „Projektfortschritt Fußballarena“. Und genau um diese Fußballarena geht es bei unserem Monatsthema im November 2017.

Das Ernst-Abbe-Sportfeld wird sich zwar mit den neuen Flutlichtmasten schon ganz bald in einem ganz anderen Licht präsentieren (die Bauarbeiten für das Fundament der Masten sind immer noch in vollem Gange), doch soll ja demnächst an gleicher Stelle ein komplett neues Stadion entstehen. Hierzu berichtete der Oberbürgermeister dem Stadtrat, worüber wir bereits berichteten. Weiter heißt es im Bericht zum komplizierten Punkt der Möglichkeit zur Unterbringung der Heimfans in der Südkurve:

Die vorhandenen Festlegungen dazu sind enthalten in den nachfolgend zitierten Beschlusspunkten des Jenaer Stadtrats vom 08.06.2017: „Der Stadtrat beschließt die Grundsätze des Vergabeverfahrens auf Grundlage der Ergebnisse des Mediationsergebnisses. Infrastrukturkosten, welche durch einen Rückzug eines Partners vom Mediationsergebnis entstehen, werden nicht durch die Stadt Jena getragen, verbürgt bzw. refinanziert.“ – Der Abschluss einer endgültigen Mediationsvereinbarung ist bisher nicht gelungen. Die am Prozess beteiligten Polizeibehörden (LPI Jena und Thüringer Ministerium für Inneres und Kommunales / TMIK) bestehen bisher darauf, dass die Brücke „Sportsteg“ und der Bahndurchgang am Felsenkeller ertüchtigt werden müssen, wenn die Gästefans auf der Nordtribüne untergebracht werden sollen.

Im zusammenfassenden Schreiben des TMIK (Anlage 10) wird zwar dargestellt, „dass für einen Übergangszeitraum die Sicherheit bei der Gästefanführung durch verstärkte polizeiliche Kräftekonzentration an den Westzugängen gewährleistet werden kann.“ Es wird aber auch bekräftigt „Eine dauerhafte Lösung erfordert jedoch zwingend die Umsetzung von Maßnahmen zur Erhöhung der Kapazität der Zugänge über die Bahnstrecke und die Saale aus Richtung Westen direkt zur Nordkurve des Stadions. Nur so können spürbare Auswirkungen auf die Öffentlichkeit und den ÖPN im westlichen Stadtteil Jenas dauerhaft reduziert und die Gefahrenvorsorge in diesem Bereich gewährleistet werden.“ Wie weiterhin richtig dargestellt wird, wurden solche
Maßnahmen im Mediationsverfahren nicht detailliert besprochen – denn die städtischen Vertreter hatten solche zusätzlichen Investitionen von Beginn an ausgeschlossen.

Aktion von „Südkurve bleibt“ – Symbolfoto © MediaPool Jena

Letztlich verlangt das TMIK „Im Falle einer Entscheidung für diese Variante [= das Mediationsergebnis liegt noch nicht vor] ist eine zeitnahe konkretisierende Planung der erforderlichen
Maßnahmen notwendig.“ Der Projektstab hat somit in Übereinstimmung mit dem Stadtratsbeschluss vom 08.06.2017 zwar die bauliche Gestaltung des Stadionkörpers so in die
Vergabeunterlagen aufgenommen, dass „sowohl die Heimfans auf der Südtribüne und die Gästefans auf der Nordtribüne platziert werden können, als auch die umgekehrte Zuordnung möglich ist.“ Für die Gestaltung des Stadionumfeldes mit Wegebeziehungen, Eingängen, Einzäunungen, Stellflächen etc. jedoch muss derzeit in den Vergabeunterlagen davon ausgegangen werden, dass die Heimfans in der Nordkurve untergebracht werden.

Eine solche Festlegung während des Vergabeverfahrens zu ändern, würde große Risiken hinsichtlich Vergabebeschwerden und Mehrkosten heraufbeschwören. Daher muss entweder vor Beginn des Vergabeverfahrens über die Frage endgültig entschieden werden, oder mehrere Varianten müssen parallel ausgeschrieben werden mit der Verpflichtung jedes Bieters, für jede Variante ein Angebot abzugeben. Derzeit (= Stand 15.10.2017) laufen zwar Bemühungen, mit den Polizeibehörden noch zu einer Einigung im Sinne des Mediationsergebnisses vom 02.03.2017 zu gelangen, aber es gibt keine greifbaren Ergebnisse dieser Bemühungen. Weiterhin hat im Auftrag der organisierten Fußballfans die Beratungsfirma Companeer GmbH (München) innovative bauliche Lösungen für eine Verortung der Gästefans im Norden und der Heimfans im Süden untersucht und eine Beurteilung zum Thema „Südkurve“ unter dem Titel „Ein Nord-Süd-Korridor für Gästefans im Ernst-Abbe-Sportfeld“ vorgelegt.

Darin wird dargelegt: „Eine Lösung des Konflikts kann darin bestehen, die Frage der Zuwegung ZUM Stadion von der Frage der Platzierung der Fankurven IM Stadion zu trennen und die Möglichkeit eines Nord-Süd-Korridors entlang der Westtribüne zu prüfen, der die im Süden ankommenden Gästefans kreuzungsfrei innerhalb des Stadiongeländes zum Norden führt.
Für einen solchen Korridor sind verschiedene Varianten denkbar. Die aus unserer Sicht vielversprechendste geht von der Nutzung der vorhandenen baulichen Infrastruktur auf der vorhandenen Westtribüne aus. Einzelheiten und Nachweis der Genehmigungsfähigkeit wären im Rahmen einer Machbarkeitsstudie näher zu untersuchen, um Planungssicherheit für den weiteren Fortschritt des Stadionprojekts zu erreichen.“

„Südkurve bleibt“ Crowdfandiing – Symbolbild © MediaPool Jena

Aus Sicht des Projektstabes kann diese Idee weiterverfolgt werden. Die Beauftragung einer Machbarkeitsstudie stößt jedoch auf das Problem, dass die Einzelheiten der zukünftigen Nutzung der Westtribüne den Bietern anheimgestellt werden sollen. Somit kann die Machbarkeit nur im Rahmen der jeweiligen Bieterkonzepte von diesen selbst untersucht werden. Hierzu wurde Folgendes in die nichtöffentliche Beschlussvorlage aufgenommen: e) Folgende zwei Varianten zur Fantrennung / Verortung der Heimfans werden ausgeschrieben mit der Verpflichtung, für jede Variante ein Angebot abzugeben und ihre Unterschiede in Bezug auf Kosten, Genehmigungsrisiken und Auswirkungen auf den Betrieb darzustellen:

I. – Zugang der Gästefans aus südlicher Richtung; – Unterbringung der Gästefans in der Südtribüne – Unterbringung der Heimfans in der Nordtribüne; – dementsprechende Gestaltung des Stadionumfeldes (mit Wegebeziehungen, Eingängen, Einzäunungen, Stellflächen)

II. – Zugang der Gästefans aus südlicher Richtung; – Wegeführung für die Gästefans innerhalb des Stadiongeländes auf die Nordtribüne und ihre Unterbringung dort; – Unterbringung der Heimfans in der Südtribüne; – dementsprechende Gestaltung des Stadionumfeldes (mit Wegebeziehungen, Eingängen, Einzäunungen, Stellflächen)

Voraussetzung für II. ist die Unterzeichnung einer Selbstverpflichtung, wie sie im Mediationsverfahren vorbereitet wurde, durch die organisierten Heimfans.

Die Chance, dass so sich auf der Basis des Companeer-Papiers eine Lösung zum Erhalt der Südkurve für die Heimfans ergibt, ist gegeben. Genauso groß ist aber auch die Gefahr, dass sich dies baulich als nicht genehmigungsfähig erweist oder Mehrkosten zur Folge hat, die die Kostenobergrenzen sprengen. Mit der parallelen, verpflichtenden Abfrage der beiden Varianten im Vergabeverfahren wird sichergestellt, dass in diesem Fall dennoch zuschlagsfähige finale Angebote abgefragt werden können – dann allerdings mit Verortung der Heimfans im Norden. Es muss allen Beteiligten klar sein, dass mit dieser Herangehensweise ein Erhalt der Südkurve nicht gesichert, sondern nur versucht werden kann. Wenn der Stadtrat – wie der Projektstab – die Realisierung des Projekts insgesamt höher bewertet als die Frage nach der Südkurve, ist die parallele, verpflichtende Abfrage der beiden Varianten der adäquate Weg, ohne weiteren  Zeitverlust eine sachgerechte Klärung herbeizuführen.

Sollte der Stadtrat ein Stadion mit Heimfans im Norden auf keinen Fall realisieren wollen, muss er die Variante I entsprechend e) streichen. Dann entsteht entweder ein Stadion mit Heimfans im Süden, oder aber das Projekt scheitert. Für Variante II stellt Companeer dar, dass die Selbstverpflichtung der Fans, wie in der Mediation angeboten, sinnvoll und äußerst hilfreich ist. Sie bedarf einer Anpassung an die Herangehensweise von Companeer. Dies und abschließend die Unterzeichnung sollte seitens der Stadt verlangt und inhaltlich begleitet werden..

Abschließendes zum Monatsthema November bei ZONO Radio Jena / Unser Jena JEZT online gibt es am 30.11.2017 hier bei uns. – Inzwischen stehen auch die Radio Jena/JEZT-Themen der kommenden drei Monate fest. Im Dezember dreht sich alles um das Thema „Weihnachten in Jena“, im Januar 2018 steht „Das ändert sich im neuen Jahr“ im Fokus und im Februar geht es beim Thema des Monats um „Die Straßenbahnverlängerung ins Himmelreich nach Zwätzen“.





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