Heute ist Start der „Artist Talks“ zum Eduard Rosenthal-Denkmal mit dem Künstler-Duo Hoheisel & Knitz

15.05.18 • JEZT AKTUELL, KULTUR & BILDUNG, NEWSCONTAINER, POLITIK & URBANES LEBEN, START, UNSER JENAKeine Kommentare zu Heute ist Start der „Artist Talks“ zum Eduard Rosenthal-Denkmal mit dem Künstler-Duo Hoheisel & Knitz

Die Künstler Horst Hoheisel und Andreas Knitz eröffnen die „Artist Talks“ in Jena. Die Gesprächsreihe begleitet den Wettbewerb zum Botho Graef-Kunstpreis 2018, der dem Gedenken an Eduard Rosenthal gewidmet ist. Im Gespräch mit Kuratorin Prof. Dr. Verena Krieger von der Universität Jena äußern sich die Künstler am 15. Mai, 19 Uhr, in der Villa Rosenthal in Jena (Mälzerstr. 11) über ihre Arbeiten zur Erinnerungskultur.

International bekannt wurde Horst Hoheisel (*1944 in Posen) mit dem während der docu­men­­ta 8 realisierten Mahnmal zum Aschrottbrunnen (1987). Der vom jüdischen Industriellen Sigmund Aschrott gestiftete Brunnen vor dem Kasseler Rathaus war von den Nationalsozia­listen zerstört worden. Hoheisel rekonstruierte den Brunnen als in den Boden ragende Nega­tiv-Form, in der das Wasser in die Tiefe stürzt. Er wurde damit zu einem Hauptvertreter neuer künstlerischer Formen der Erinnerungskultur. Seit 1994 arbeitet Horst Hoheisel gemeinsam mit Andreas Knitz (*1963 in Ravensburg) als Künstler-Duo. In Thüringen haben sie bereits das Denkmal „Zermahlene Geschichte“ (1997-2002) im Hof des Thüringer Staatsarchivs in Weimar und das „Denkmal für ein Denkmal“ (1995) auf dem Appellplatz des ehemaligen Konzentrationslagers Buchenwald geschaffen.

Das „Denkmal für ein Denkmal“ ist eine quadratische Metallplatte, die dauerhaft auf eine Temperatur von 37 Grad gebracht wird. Mit ihrem Grundriss erinnert sie an das unmittelbar nach der Befreiung der Häftlinge erinnerte provisorische Mahnmal auf dem Lagergelände. Der amerikanische Präsident Barack Obama hat hier 2005 eine weiße Rose niedergelegt. Große Aufmerksamkeit erlangte auch ihr „Mahnmal der Grauen Busse“, das seit 2007 an die sogenannte Euthanasie-Aktion der Nationalsozialisten erinnert. Es besteht aus zwei Beton-Nachbildungen der grauen Busse, mit denen die Behinderten zu den Tötungsanstalten trans­portiert wurden. Einer dieser Busse steht dauerhaft bei der ehemaligen Heilanstalt Ravens­burg-Weissenau, der andere wird jeweils für einige Monate in einer deutschen Stadt aufge­stellt. Er war unter anderem bereits in Berlin, Frankfurt, Köln, München, Pirna und Heilbronn.

Das „Mahnmal der Grauen Busse“ ist ein dezentrales und bewegtes Denkmal, wie es auch im Ergebnis des Wettbewerbs um den Botho Graef-Preis 2018 entstehen könnte. Neun Künst­le­rinnen und Künstler wurden eingeladen, unter dem Titel „Das verschwundene Bildnis“ ein de­zentrales Denkmal für den Jenaer Rechtswissenschaftler, Rektor der Univer­si­tät und Vater der Thüringer Landesverfassung Eduard Rosenthal (1853-1926) zu entwerfen. Rosenthals Por­trät war nach der Machtübernahme der Nationalsozialisten aus der Univer­si­täts-Samm­lung von Professorenbildnissen entfernt worden und ist seit 1944 verschollen. Aufgrund sei­ner jüdischen Herkunft und seines demokratischen Engagements sollte Eduard Rosenthal aus dem kulturellen Gedächtnis gelöscht werden.

Termin Artist Talk: Dienstag, 15. Mai 2018, 19.00 Uhr, Villa Rosenthal, Mälzerstr. 11, 07743 Jena. Der Eintritt ist frei, weitere Informationen unter: www.eduard-rosenthal.de.

Hintergrund: Den Botho Graef-Kunstpreis lobt die Stadt Jena seit 1992 alle drei Jahre aus. 2018 findet er in Zusammenarbeit mit der Friedrich-Schiller-Universität Jena statt. Angestrebt wird eine künstlerische Arbeit, die Eduard Rosenthal würdigt und zugleich sein verschwundenes Bild als Leerstelle markiert. Das dezentrale Denkmal soll an den verschiedenen Wirkungsorten Eduard Rosenthals errichtet werden.

 





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