Telefonbetrüger geschnappt: Polizei ist sich sicher, dass sie die „falschen Polizisten“ erwischt hat

27.02.19 • AUS DER REGION, JEZT AKTUELL, NEWSCONTAINER, POLIZEIBERICHT, START, UNSER JENA, UNSER JENA & DIE REGIONKommentare deaktiviert für Telefonbetrüger geschnappt: Polizei ist sich sicher, dass sie die „falschen Polizisten“ erwischt hat

Ein Teil der bei den Telefonbetrügern sichergestellten Beute – Bildrechte: Polizei Thüringen

(Nadine Angerer + Content der Thüringer Polizei) – Ende Januar kam es in Thüringen, besonders in Erfurt, zu einer bislang nicht da gewesenen Welle von Trickbetrug mittels Telefon. In über 250 Fällen versuchten bislang unbekannte Täter, welche sich als Polizisten und Kollegen der Kripo ausgaben, an Bargeld, Schmuck und andere Wertsachen zu kommen.

Trotz aller Warnhinweise gab es erst letztes Wochenende wieder über 90 Neuanfälle, wobei einer davon für die Täter in Erfurt von Erfolg gekrönt war. Dabei kam es zur Übergabe von 12.000 Euro und Goldschmuck. Den Betrügern ist es leider in insgesamt sechs Fällen gelungen, mittels dieser Betrugsmasche über 210.000 Euro und Goldschmuck zu erbeuten. Dabei gingen die Täter sehr professionell vor. Aufgrund der immensen Häufung der Anrufe, der kurzen zeitlichen Abstände, der gleichen Tatbegehung sowie der Tatörtlichkeit – die Stadt Erfurt – entschied sich die Thüringer Polizei dazu, die Arbeitsgruppe (AG) „Klingel“ bei der Kripo in Erfurt einzurichten.

Eine Vielzahl dieser Betrugsanrufe gab es am Montagabend in Jena. Mindestens elf, vorwiegend ältere Menschen wurden von einem Unbekannten angerufen. Der Mann stellte sich jeweils als Angehöriger der Jenaer Polizei vor, erzählte von einem kurz zuvor in der Nachbarschaft festgestellten Einbruch und befragte die Angerufenen nach Wertgegenständen und Bargeld in der Wohnung. Der Anrufer wurde zum Teil beleidigend und drohte in einem Fall sogar mit dem Einsatz eines Spezialeinsatzkommandos der Polizei, falls die Angerufene nicht mit ihm kooperieren würde. In allen Fällen wurden die Jenaer misstrauisch, beendeten das Telefongespräch und informierten die Polizei. Somit hatten die Trickbetrüger keinen Erfolg. Montagabend gab es in Gera ebenfalls mindestens sechs Anrufe nach der Betrugsmasche „falsche Polizisten“. Die Angerufenen waren allesamt weiblich und in einem betagten Alter. In allen Fällen wurde auch hier richtig gehandelt, heißt es bei der Polizei: Das Gespräch wurde zeitnah abgebrochen und der Vorfall der Polizei gemeldet. Ein Schaden ist nicht eingetreten.

Gestern Abend konnten die bislang gewonnenen Erkenntnisse der AG „Klingel“ derart verdichtet werden, dass sich die Ermittler sicher waren, die bislang unbekannten Betrüger ermittelt zu haben und die Handschellen klickten. Bei den Tätern handelt es sich um drei männliche deutsche Staatsbürger im Alter von 19 bis 22 Jahren, wohnhaft in Bremen. Bei der Durchsuchung der Personen, eines Fahrzeugs Mercedes CLK und der ermittelten angemieteten Ferienwohnung konnte umfangreiches Beweismaterial, so z.B. mehrere Tausend Euro sowie Schmuck sichergestellt werden.

Weiterhin konnte an den Wohnanschriften der drei Tatverdächtigen weiteres Beweismaterial aufgefunden und sichergestellt werden. Dieses wird nun einer akribischen Untersuchung durch unsere Kollegen der Kriminaltechnik unterzogen. Der sichergestellte Schmuck gehört zweifelsfrei der Rentnerin aus Erfurt, welche am Sonntag Opfer dieser Betrugsmasche wurde.

Aufgrund der vorliegenden Ermittlungsergebnisse beantragte die Staatsanwaltschaft Erfurt für die drei Beschuldigten den Erlass eines Untersuchungshaftbefehls beim zuständigen Ermittlungsrichter des Amtsgerichtes Erfurt, welcher soeben erlassen wurde.

Die Thüringer Polizei gibt folgende Hinweise: Die Polizei weist darauf hin, dass echte Polizisten in einem Telefonat nicht nach Geld oder anderen Wertgegenständen fragen bzw. eine Übergabe von Wertgegenständen vereinbart. Von daher ist stets Misstrauen bei solchen Anrufen geboten. Oftmals rufen die Betrüger mit unterdrückter Telefonnummer an. Hinterfragen Sie das Anliegen des Anrufers bzw. bitten Sie um dessen Telefonnummer. Beenden Sie anschließend das Telefongespräch und rufen selbst beim Anrufer zurück. Die Anrufer, die keine ehrbaren Absichten haben, beenden meist von selbst das Gespräch, wenn man nach ihrer Telefonnummer fragt.

Haben Sie Zweifel an der Echtheit des Anrufers, scheuen Sie sich nicht, das Telefongespräch einfach zu beenden. Das ist in diesem Fall keineswegs unhöflich, sondern vorsichtig. Falls möglich notieren Sie die angezeigte Telefonnummer und informieren sie die Polizei. Gehen Sie nicht auf irgendwelche Forderungen ein und vereinbaren Sie kein persönliches Treffen. Melden Sie den Vorfall unter der Notrufnummer 110.





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