Erste Fachkräftestudie zeigt Jenaer Personal-Engpässe auf (Teil 2)

22.06.19 • JEZT AKTUELL, NEWSCONTAINER, POLITIK & URBANES LEBEN, START, UNSER JENAKommentare deaktiviert für Erste Fachkräftestudie zeigt Jenaer Personal-Engpässe auf (Teil 2)

(JenaWirtschaft) – Ausreichend und vor allem die richtigen Arbeitskräfte zu finden, bleibt die größte Herausforderung für die Jenaer Unternehmen von Handwerk bis High-Tech in den nächsten Jahren und Jahrzehnten. Besonders in der Gesundheitswirtschaft, im verarbeitenden Gewerbe und im IT-Bereich übersteigt der Personal-Bedarf das verfügbare „Potential“. Zu diesem Ergebnis kommt die erste Fachkräftestudie Jena, die die Wirtschaftsförderung Jena (JenaWirtschaft) gemeinsam mit dem Zentrum für Sozialforschung Halle e.V. (ZSH) veröffentlicht hat. [LESEN SIE HIER TEIL 1 DES ARTIKELS]

Und wie sieht es laut Fachkräftestudie bei den exogenen Potentialen, also Menschen von außerhalb aus? Die Zahl der Einpendelnden aus dem direkten Jenaer Umland wird aufgrund der demografischen Entwicklung rückläufig sein: 2018 lag der Jenaer Pendlersaldo – also die Differenz zwischen Ein- und Auspendelnden – bei einem Plus von rund 14.800 Personen. Die Studie prognostiziert, dass dieser Pendlersaldo bis 2030 in der mittleren Wachstumsvariante auf ein Plus von nur noch rund 12.970 Personen sinken wird, weil das Jenaer Umland in noch stärkerem Maße als die Stadt selbst vom demografischen Wandel betroffen sein wird. Da dieser Wandel ganz Deutschland betrifft, stellt auch der Zuzug aus anderen Regionen für Jena nur ein begrenztes Potential dar. Hier können laut Studie aber gute Lebens- und Arbeitsbedingungen mit einem Fokus auf die Familienfreundlichkeit vor Ort besonders interessant für Rückkehrende sein.

Das wichtigste Potential für Jena ist laut den Fachleuten des Zentrums für Sozialforschung Halle die Außenwanderung, also der Zuzug ausländischer Fachkräfte.  ZSH-Geschäftsführerin Susanne Winge bestätigt Jena dafür gute Voraussetzungen: „Jena ist im Thüringer Vergleich schon relativ international aufgestellt. Wichtig ist aber, die Rahmenbedingungen für internationale Fachkräfte aktiv positiv zu gestalten und neben guten Arbeits- und Lebensbedingungen eine tatsächliche Willkommenskultur zu etablieren, die ein wirkliches Ankommen vor Ort und eine gelebte Integration gewährleistet.“ Derzeit arbeiten rund 3.500 internationale Fachkräfte in Jena; das Potential liege bei bis zu 10.600 Menschen bis 2030, so die Expertin.

Neben der umfassenden Analyse des Fachkräfte-Problems gibt die Studie auch eine Reihe von Handlungsempfehlungen vor. Ausgehend von diesen Empfehlungen erarbeitet die Wirtschaftsförderung Jena gemeinsam mit der Lenkungsgruppe zur Studie und der Jenaer Allianz für Fachkräfte bis Jahresende einen umfangreichen Maßnahmenkatalog. Neben einer strategischen Verortung des Themas soll es um konkrete lokale Lösungsangebote gehen. Lösungen, die dringend notwendig sind: Denn wie ausschlaggebend das Problem für den Standort Jena ist, bestätigt auch eine Unternehmensbefragung von JenaWirtschaft: Dort war gefragt worden, welche Herausforderung vor Ort das größte Wachstumshemmnis für die lokale Wirtschaft darstelle. Die meistgegebene Antwort, noch vor der Verfügbarkeit von Gewerbeflächen: Fehlende Fachkräfte.

Hintergrund:

Der Jenaer Arbeitsmarkt hat sich in den letzten zehn Jahren in Bezug auf die Beschäftigtenzahl und Arbeitslosenquote äußerst positiv entwickelt. Die Zahl der Beschäftigten wuchs zwischen 2008 bis 2018 von 45.842 auf 56.542 (+10.700 Personen). Dies entspricht einem Wachstum von 2,2 Prozent pro Jahr bzw. 23 Prozent insgesamt. Ausreichend und vor allem die richtigen Fachkräfte zu finden, bleibt die größte Herausforderung für den Erfolg des Wirtschaftsstandorts Jena in den nächsten Jahren und Jahrzehnten. Um die konkreten Ersatz- und Erweiterungsbedarfe der lokalen Wirtschaft und mögliche Potentiale für den Jenaer Arbeitsmarkt zu analysieren,  erstellte die Wirtschaftsförderungsgesellschaft Jena mbH (JenaWirtschaft) in Kooperation mit dem Zentrum für Sozialforschung Halle e.V. (ZSH) erstmals eine „Fachkräftestudie Jena 2030“. 

Die Erstellung der Studie wurde von JenaWirtschaft inhaltlich vorbereitet und mit dem Auftragnehmer abgestimmt. Begleitet wurde die Untersuchung durch eine Lenkungsgruppe, bestehend aus fachlich bestimmten Vertreterinnen und Vertretern der Wirtschaft, Wissenschaft, den Verbänden sowie der Agentur für Arbeit:

  • Thomas Bauer, Geschäftsführer OptoNet e.V. (Optik/ Photonik)
  • Prof. Dr. Michael Behr, Thüringer Ministerium für Arbeit, Soziales, Gesundheit, Frauen und Familie
  • Martin Berger, Stadtverwaltung Jena
  • Holger Bock, Vorsitzender der Geschäftsführung der Agentur für Arbeit Jena
  • Prof Dr. Cantner, Friedrich-Schiller-Universität Jena und Vorsitzender Kuratorium des Jenaer Bündnis für Familie, und Dr. habil Holger Graf, Friedrich-Schiller-Universität Jena 
  • Dr. Eike Dazert, Geschäftsführerin medways e.V. (Gesundheitswirtschaft)
  • Frank Heuer, Interessengemeinschaft Gewerbegebiet Jena-Süd (IGJS)
  • Mihajlo Kolakovic, Aufsichtsrat der Wirtschaftsförderungsgesellschaft Jena mbH
  • Manuela Vogt, Kreishandwerkerschaft Jena/SHK
  • Leitung: Wilfried Röpke und Ramona Scheiding, Wirtschaftsförderungsgesellschaft Jena mbH

HIER findet man die Fachkräftestudie Jena 2030 – Das Wichtigste in Kürze. /// AN DIESER STELLE kann man die „Präsentation der Fachkräftestudie“ abrufen!





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