Neues von der Rückseite des Mondes: So ist die Gesteinsoberfläche aufgebaut!

24.11.19 • JEZT AKTUELL, NEWSCONTAINER, START, WISSENSCHAFT, MEDIZIN & TECHNIKKommentare deaktiviert für Neues von der Rückseite des Mondes: So ist die Gesteinsoberfläche aufgebaut!

Fahrstrecke von YuTu 2 auf der Rückseite des Mondes mit den Radarmesspunkten. – Bildrechte: China National Space Administration

(Bernhard Doepfer) – Die Chinesische Nationale Akademie der Wissenschaften berichtet über die Oberflächenerkundung durch den Mondrover Yùtù 2 der Forschungssonde Chang’e 4 (wir berichteten), die auf einem einstigen Lavasee gigantischen Außmaßes im nordöstlichen Teil des Mare Imbrium gelandet ist, dem sog. Südpol-Aitken-Becken (SPA).

Das SPA ist der größte und tiefste Einschlagkrater auf dem Erdmond und der größte bekannte des Sonnensystems. Es öffnet zugleich (zumindest theoretisch) ein Fenster in die Mondkruste. Informationen zur Zusammensetzung des Südpol-Aitkin-Beckens wurden bisher hauptsächlich durch orbitale Fernerkundung gewonnen. Die chinesische Mondsonde Chang’e-4 landete Anfang des Jahres im SPA-Becken und hatte die einzigartige Gelegenheit, die Zusammensetzung des Mondinneren vor Ort zu untersuchen.

Gesteins- und Mondregolith, das vom Yutu-2-Rover untersucht wurde. Die Bildauflösung beträgt ~ 0,6 mm / Pixel. – Fotos © Science China Press

Das an Bord befindliche Monddurchdringungsradar führte dabei eine 114 Entferungsmeter lange Erkundung durch, bei der die Dichte der Mondregolithschicht gemessen wurde und drei darunter liegende Basalteinheiten in Tiefen von 195, 215 und 345 Metern entdeckt werden konnten. Die Radarmessungen legen nahe, dass die Dichte des globalen Mondregoliths mit den bisherigen Methoden unterschätzt wurde. Mit Regolith ist eine Oberflächendecke aus lockerem Material gemeint, das jedoch bereits kompakter als der sog. Mondstaub ist.

Der Landeplatz selbst befindet sich im Bereich von Auswurfstreifen, die vom Finsen-Krater ausgehen, der sich etwa 135 km nordöstlich befindet. Die bisherigen Untersuchungen der Mondoberfläche am Landeplatz durch Yutu-2 ergaben, dass diese aus einem sehr homogenen Regolith besteht, der von wenigen verstreuten Gesteinen überlagert wird. Oberflächengestein und Regolith des Mondes wurde inzwischen an insgesamt an zehn Stellen entlang der Rover-Fahrstrecke Mithilfe des eingebauten Spektrometers für sichtbare und Nahinfrarotbilder gemessen. Die Spektren des Regoliths weisen Spuren auf, ähnlich den Spektraldaten von Finsen-Auswurfmaterialien.

Messergebnisse der VNIS-Spektren des Gesteins- und Mondregoliths. – Grafik © Science China Press

Die aufgefundene Materialzusammensetzung des Mond-Regoliths am Landeplatz weise, so die Akademie der Wissenschaften, insgesamt darauf hin, dass es überwiegend aus benachbarten Kratern ausgeworfen wurde. Das Gesteinsspektrum zeigt aber auch Oberflächenmaterialien, die repräsentativ für die untere Mondkruste zu sein scheinen. Alternativ kristallisierte das Gestein aus dem durch das SPA-Aufprallereignis gebildeten Aufprallschmelzbad durch Mischen der Mondkruste und der Mantelmaterialien. Dieses Szenario steht im Einklang mit den thermischen Bedingungen einer schnellen Abkühlung eines flachen Schmelzbades.





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