„Das Gehirn hört zu“: Forscher der Uni Jena weisen Gedächtnisspur für das Wiedererkennen von Stimmen nach

15.08.14 • JEZT AKTUELL, START, WISSENSCHAFT, MEDIZIN & TECHNIKKeine Kommentare zu „Das Gehirn hört zu“: Forscher der Uni Jena weisen Gedächtnisspur für das Wiedererkennen von Stimmen nach

JEZT - Die Erforschung des Gehirns - The Exploration of the Brain - Grafik von John Burgess © 1988

(JEZT / FSU | 2014-08-15) – Eine Stimme sagt mehr als tausend Worte. Denn ob hoch oder tief, piepsig oder rauchig – die Stimme eines Menschen ist so individuell wie der Fingerabdruck. Zwar vermischt sich der Eindruck einer Stimme mit den Sprachinformationen, also beispielsweise dem Inhalt des Gesagten und dem Dialekt. „Aber selbst der reine Klang der Stimme verrät vieles über ihren Besitzer, wie etwa über die Persönlichkeit, das Alter, das Geschlecht, die Stimmung und die Identität“, sagt Dr. Romi Zäske von der Friedrich-Schiller-Universität Jena.

Vor allem die Stimmen von vertrauten Personen lassen sich leicht wiedererkennen. „Da reicht manchmal schon ein kurzes Räuspern oder Lachen“, sagt die Neuropsychologin. Doch Zäske und ihre Kollegen haben nun gezeigt, dass Menschen auch in der Lage sind, sich an eine Stimme zu erinnern, selbst wenn sie diese kaum kennen. Zudem unterscheide das Gehirn zwischen leicht zu merkenden Stimmen und denen, die schnell wieder in Vergessenheit geraten, schreiben die Wissenschaftler in der aktuellen Ausgabe des internationalen Fachmagazins „The Journal of Neuroscience“.

JEZT - FSU Studie von Dr Romi Zaeske - Foto © FSU Jena JP KasperFür die Studie haben die Jenaer Wissenschaftler zunächst 48 Personen mehrere kurze Sätze einsprechen lassen und diese anschließend 24 weiteren Testpersonen vorgespielt. Diese Lernphase wiederholten die Forscher, so dass die Probanden insgesamt sechs Stimmen jeweils zwölfmal gehört hatten. In den Testphasen bekamen sie wiederum mehrere Stimmen zu hören – sowohl neue, als auch bereits aus der Lernphase bekannte Stimmen und sowohl mit denselben, als auch mit unbekannten Sätzen. „Die Probanden waren erstaunlich gut in der Lage, die ihnen bekannten Stimmen von den fremden zu unterscheiden, obwohl sie von diesen zuvor nur wenige kurze Sätze gehört hatten“, sagt Romi Zäske. Dabei konnten sie die Sprecher auch dann wiedererkennen, wenn das in der Lern- und Testphase Gesagte voneinander abwich. Daher handle es sich dabei nicht um die einfache Wiedererkennung eines bestimmten Reizes, sondern um echte Stimmenerkennung unabhängig vom Gesagten, betont die Leiterin der Studie.

Gleichzeitig haben die Jenaer Wissenschaftler mittels Elektroenzephalografie (EEG) die Gehirnaktivität der Testpersonen aufgezeichnet. Gelernte und später wiedererkannte Stimmen verarbeitet das Gehirn demnach anders als solche, die wieder vergessen werden – und das wiederum unabhängig vom Inhalt der Äußerungen. Denn sobald die Testpersonen eine Stimme hörten, an die sie sich später erinnern konnten, veränderte sich das Muster der EEG-Messungen – für die Forscher ein Hinweis für eine veränderte Hirnaktivität. „Das Gehirn legt bereits in der Lernphase für bestimmte Stimmen eine Gedächtnisspur an. Diese wird später wieder aktiviert, die Stimme erfolgreich aus dem episodischen Gedächtnis abgerufen und damit als bekannt identifiziert“, erläutert Zäske. Diesen Effekt haben Forscher bereits für das Lernen und Wiedererkennen von Gesichtern und Wörtern beobachtet. „Doch das ist das erste Mal, dass wir solche Gedächtnisspuren auch für das Lernen von Stimmen nachweisen konnten“, betont Prof. Dr. Stefan Schweinberger, Leiter der DFG-Forschergruppe „Personenwahrnehmung“ an der Uni Jena und Ko-Autor der aktuellen Studie.

Eine wohlklingende Stimme mit Wiedererkennungswert – davon profitieren nicht nur Musiker und Schauspieler, sondern sie hilft auch in der alltäglichen Kommunikation. Warum sich manche Stimmen besser ins Gedächtnis einbrennen als andere, wollen die Jenaer Neuropsychologen zwar erst in Zukunft untersuchen. Doch ihre Ergebnisse zeigen bereits jetzt: Stimmtraining lohnt sich, denn das Gehirn hört ganz genau zu.

Die Studie findet man hier: The Journal of Neuroscience, DOI: 10.1523/JNEUROSCI.0581-14.2014





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