„So war das damals in der DDR und in Jena“: Der 9. November 1989 – Es begann mit einer Lüge und endete mit einem Missverständnis

09.11.14 • JEZT AKTUELL, KULTUR & BILDUNG, STARTKeine Kommentare zu „So war das damals in der DDR und in Jena“: Der 9. November 1989 – Es begann mit einer Lüge und endete mit einem Missverständnis

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(JEZT / JENAREPORTER MARTIN WEGNER) – Walter Ulbricht, im Jahre 1961 der mächtigste und zugleich bedeutendste Politiker der Deutschen Demokratischen Republik, überlegte kurz und beantwortete dann die ihm gestellte Frage der westdeutschen Journalistin Annamarie Doherr mit folgenden Worten: „Ich verstehe Ihre Frage so, dass es Menschen in Westdeutschland gibt, die wünschen, dass wir die Bauarbeiter der Hauptstadt der DDR mobilisieren, um eine Mauer aufzurichten, ja?“ – Man schrieb den 15. Juni 1961.

JEZT - Neues Deutschland Sonderdruck zum Mauerbau - Abbildung © MediaPool JenaUlbricht sprach weiter: „Mir ist nicht bekannt, dass solche Absicht besteht, da sich die Bauarbeiter in der Hauptstadt hauptsächlich mit Wohnungsbau beschäftigen, und ihre Arbeitskraft dafür voll ausgenutzt wird, voll eingesetzt wird.“ Und dann folgte der Satz, der Walter Ulbricht über seinen Tod im Jahre 1971 hinaus mit dem Schicksal der beiden Deutschjen Staaten BRD und DDR verband. Ulbricht sagte „Niemand hat die Absicht, eine Mauer zu errichten!“ und dieser Satz wurde später sogar auf einer Art Sonderdruck der Zeitung „Neues Deutschland“ publiziert, die in West-Berlin ausgehangen wurden.

Acht Wochen später wurde, zuerst in der Hauptstadt der DDR, anschließend an der sog. „Innerdeutschen Grenze“ zwischen der BDR und der DDR ein Bollwerk errichtet, dass später nur noch als „Die Mauer“ oder „Eiserner Vorhang“ bezeichnet wurde. Massiv gebaut, geschützt von Warn- und Selbstschussanlagen, versehen mit Nationalen Volksarmisten, die Wache scheiben mussten und einen Schließbefehl bekamen. Eine Grenzbefestigung, der fast 1.400 Menschen zum Opfer fielen, die einzig nur das Zeil hatten, die DDR zu verlassen und dafür mit dem Leben bezahlen mussten.

JEZT - Pressekonferenz vom 9 November 1989 in der Aktuellen Kamera der DDR - Foto © MediaPool JenaDas Ende der „Mauer“ kam vorhersehbar und trotzdem überraschend genau heute vor 25 Jahren. Der Saal im Internationalen Pressezentrum in Ost-Berlin war restlos überfüllt , als am frühen Abend des 09. November 1989 Günter Schabowski, seines Zeichens Sprecher des SED-Politbüros, zu den Journalisten sprach. Nichts außergewöhnliches hatt er zu berichte. Dann durften Fragen gestellt werden und der italienische Journalist Riccardo Ehrman fragte Schabowski, ob es aus seiner Sicht ein Fehler gewesen sei, einen Reisegesetzentwurf für die DDR-Bürger erst spät ins Auge zu fassen.

Schabowski, antwortete leicht irritiert, man reagiere ja nun endlich auf die Massenflucht aus der DDR. Dann holte er einen Notizzettel hervor und verkündet er, dass auf Empfehlung des Politbüros der SED in Kürze ein überarbeitetes Reisegesetz in Kraft treten werde, welches die ständige Ausreise und Privatreisen „ohne Vorliegen von Voraussetzungen“ gestatte, wie er sagte. Dies wiederum führte zu einer Nachfrage von Ehrmann, ab wann dies gelten würde. Schabowski, ganz offensichtlich auf dem falschen Fuß erwischt, antwortete zögerlich: „Das tritt nach meiner Kenntnis … ist das sofort so, unverzüglich.“

Auf diese live im DDR-Fernsehen übertragenen Worte hin begannen Ost-Berliner scharenweise an die Grenzübergänge zu strömen. Alles weitere ist Legende und man kann es heute Abend ab 20 Uhr noch einmal in dem spannenden, mehrfach preisgekrönten Originaltonhörspiel „9. November 1989“ von Rainer Sauer hören und zwar exklusiv bei ZONO Radio Jena.





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