„Nicht nur Kümmerexistenzen“: Wirtschaftswissenschaftler unter Beteiligung der FSU Jena untersuchen Einkommensverhältnisse von Selbstständigen

11.09.17 • INFOS FÜR STUDIERENDE, INTERESSANTES, JEZT AKTUELL, NEWSCONTAINER, START, UNSER JENA, WISSENSCHAFT, MEDIZIN & TECHNIKKeine Kommentare zu „Nicht nur Kümmerexistenzen“: Wirtschaftswissenschaftler unter Beteiligung der FSU Jena untersuchen Einkommensverhältnisse von Selbstständigen

Geldmünzen und Geldscheine – Symbolfoto © FSU Jan-Peter Kasper

Mark Zuckerberg, Bill Gates, Dietmar Hopp – einige der reichsten Menschen der Welt und Deutschlands haben ihr Vermögen als Selbstständige erarbeitet. Neben diesen besonders erfolgreichen Unternehmern gibt es aber auch Selbstständige, die eher eine Kümmerexistenz fristen, weil sie keine einträglichere Festanstellung finden. Wirtschaftswissenschaftler der Friedrich-Schiller-Universität Jena und vom Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung Berlin (DIW) haben nun die Einkommensverhältnisse von Selbstständigen genauer unter die Lupe genommen.

„Frühere Studien arbeiten vor allem mit Mittelwerten und kommen dann zu dem Ergebnis, dass Selbstständige in der Regel weniger verdienen als abhängig Beschäftigte“, erklärt Prof. Dr. Michael Fritsch von der Universität Jena, der die Studie gemeinsam mit seinen Kollegen Dr. Alina Sorgner und Prof. Dr. Alexander Kritikos vom DIW Berlin durchgeführt hat. „Wir haben uns die gesamte Verteilung der Einkommen pro Arbeitsstunde angeschaut und dabei den Einfluss von Größen wie etwa das Alter, die Qualifikation, das Geschlecht und die Branche berücksichtigt.“

Dabei stießen die Ökonomen auf eine sehr breite Verteilung der Einkommen – mit einer breiten oberen Spitze: Etwa 25 Prozent der Selbstständigen verdienten deutlich mehr als ihre angestellten Gegenparts. Weitere 25 Prozent bewegen sich ungefähr auf der gleichen Ebene. Allerdings verdienen nicht wenige Selbstständige auch deutlich weniger als abhängig Beschäftigte. „Vor allem das Einkommen pro Arbeitsstunde ist geringer“, erläutert seine Jenaer Kollegin Alina Sorgner. „Da Selbstständige im Durchschnitt etwa 25 Prozent länger arbeiten als abhängig Beschäftigte, erreichen viele durchaus ein ähnliches Monatseinkommen.“

Erhebliche Unterschiede sind zwischen Solo-Selbstständigen und solchen Unternehmensgründern feststellbar, die selbst Mitarbeiter angestellt haben. Letztere Gruppe könne in der Regel ein deutlich höheres Einkommen verzeichnen. „Je mehr Angestellte, desto höher auch das Einkommen des Unternehmers“, sagt Alexander Kritikos. Besonders große Gehaltsunterschiede unter den Selbstständigen konnten die Forscher in der Gruppe der Hochschulabsolventen ausmachen. „Es gibt sowohl den taxifahrenden Historiker als auch den Ingenieur mit eigenem Entwicklungsbüro, um das Gefälle einmal zu veranschaulichen“, sagt Fritsch. „Bemerkenswerterweise kann die Selbstständigkeit gerade für Menschen ohne Ausbildungsabschluss eine durchaus attraktive Form der Erwerbstätigkeit darstellen.“ Der Grund hierfür liegt wohl vor allem darin, dass Qualifikationen, für die kein formaler Abschluss vorliegt, von vielen Unternehmen nur gering honoriert werden. Daher kann es ertragreicher sein, diese Qualifikationen dann in Selbstständigkeit zu „vermarkten“.

In den letzten Jahrzehnten lässt sich ein deutlicher Trend zu mehr Solo-Selbstständigkeit feststellen – trotz der Gefahr einer Einkommenseinbuße im Vergleich zu abhängiger Beschäftigung. Warum das so ist, wollen die Jenaer Wirtschaftswissenschaftler in weiteren Studien herausfinden. „Die Solo-Selbstständigen sind eine bisher weitgehend unbekannte Spezies, da sich die Gruppe durch große Vielfalt auszeichnet und über sie nur sehr wenige Daten existieren“, erklärt Michael Fritsch die Motivation für weitere Forschungen. „In Zukunft wollen wir beispielsweise klären, ob Faktoren wie Unabhängigkeit, freie Zeiteinteilung, örtliche Ungebundenheit das Minus beim Einkommen ausgleichen. Zudem interessiert uns, was Menschen tatsächlich motiviert, selbstständig zu arbeiten, und warum einige dann auch wieder ein Angestelltenverhältnis eingehen.“





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