»SOMMER 1969: Vier Wochen, die die Welt veränderten (1)«

01.08.19 • INTERESSANTES, JEZT AKTUELL, KULTUR & BILDUNG, NEWSCONTAINER, STARTKommentare deaktiviert für »SOMMER 1969: Vier Wochen, die die Welt veränderten (1)«

Ausschnitt aus dem Albumcover von „Abbey Road“ – Bildrechte: Apple Records EMI

(Urban Pilz) – Der „Sommer 1969“ beinhaltete alles für die Generation der bis 1960 geborenen Menschen, um ihn unvergesslich zu machen. Mit 50 Jahren Abstand betrachtet, entfaltet er auch heute seine Unverwechselbarkeit.

Geboren aus dem „Prager Frühling“ 1968 und seinen Folgen für Osteuropa sowie den Studentenunruhen des Vorjahres, begann der „Sommer 1969“ Mitte Juli mit der Mondlandung von Apollo 11. Ihr schlossen sich vier Wochen an, die die Welt veränderten, mit den letzten gemeinsamen Musikaufnahmen der Beatles in London, den bestialischen Morden den Manson-Family in Hollywood, dem Woodstock-Festival und … und … und … doch der Reihe nach:

Über die historische Mondlandung (16. bis 24. Juli 1969) wurde bereits ausführlich berichtet. Beginnen möchte ich deshalb hier mit den Beatles. Im Sommer 1969 nahm die britische Musikgruppe, bestehend aus John Lennon, Paul McCartney, George Harrison und Ringo Starr, ihr elftes Studioalbum auf, das ab dem 26. September unter dem Titel „Abbey Road“ in die Plattenläden kam.

Ausschnitt aus dem Cover der Albumrückseite von „Abbey Road“ – Bildrechte: Apple Records EMI

Das Album (nach der gleichnamigen Straße in London benannt, in dem die meisten der Studio-Aufnahmen der Beatles entstanden) ist zugleich das letzte Musikalbum, das die vier Musiker gemeinsam aufnahmen. Es entstand in der Phase, in der sich die Beatles gerade trennten bzw. eigenen Projekten nachgingen. Mitte März 1969 hatte McCartney die Fotografin und Kodak-Erbin Linda Eastman in London geheiratet, kurz danach ging Lennon mit Yoko Ono seine zweite Ehe ein. Lennon und Ono waren von da an nur noch sporadisch in London, lebten u.a. in Amsterdam und Paris.

Während der Fotoaufnahmen – Bildrechte: Apple Records EMI

Die Interessen von John Lennon hatten sich zu diesem Zeitpunkt bereits weit vom Beatles-Projekt wegbewegt: er hatte mit der Plastic Ono Band eine eigene Musikgruppe, drehte Filme, widmete sich zahlreichen Kunstprojekten sowie seiner Friedenskampagne. Harrison war in Indien auf der Suche nach Erleuchtung, Starr konzipierte sein erstes Solo-Album und verfolgte parallel auch eine Filmkarriere. Da die Fab-Four nach dem Tode ihres Managers Brian Epstein finanzielle Sorgen plagten, gingen Lennon und McCartney Ende Mai 1969 ins Studio und nahmen im Alleingang die Beatles-Single „The Ballad of John and Yoko“ auf – musikalisch nicht überragend, aber ihr 17. und letzter Nummer-eins-Hit in Großbritannien.

Beatles-Produzent George Martin sagte über „Abbey Road“: „Die Musik- und Filmaufnahmen zum Projekt ‚Let it be‘ waren so unglücklich gewesen, dass ich wirklich dachte, sie markierten das Ende der Beatles. Daher war ich ziemlich überrascht, als Paul mich Anfang Juni anrief und fragte: ‚Wir nehmen eine neue Platte auf. Hast du Lust, sie zu produzieren?‘ Ich antwortete: Nur, wenn ihr mich genauso arbeiten lasst wie früher. ‚Genau das haben wir vor‘, sagte er. Ich fragte nach: Ist John auch dabei? ‚Ja, Ehrenwort.‘ Aus heutiger Sicht finde ich, ‚Abbey Road‘ wurde eine sehr schöne Platte, ich glaube, es lag daran, dass alle der Meinung waren, sie würde die letzte sein.“

Im Juni 1969 wurden Demos erstellt, die wesentlichen Studioaufnahmen begannen schließlich am 9. Juli 1969, als John wieder von seinem Autounfall in Schottland genesen war, bei dem er und Yoko verletzt worden waren. Geprägt wurden die Arbeiten an „Abbey Road“ aber ebenso von Lennons Drogenproblemen, die seine Gesundheit erheblich beeinflussten und im Album-Opener „Come together“ mündeten (Zitat: „Da kommt der alte Flachkopf. Er hat riesengroße Augäpfel, sieht aus wie ein Heiliger mit Haaren bis zu den Knien. Muß ein eigenwilliger Typ sein, er macht einfach was er will. Schießt Kokain, sagt: Du musst frei sein!“)

Die letzten gemeinsamen Fotoaufnahmen von den Beatles machte Fotograf Ethan Russell – Bildrechte: Apple Records EMI

Am 19. August 1969 wurde für „Here comes the Sun“ die letzte Aufnahme gemacht, einen Tag später waren die Beatles zum letzten Mal zu viert im Studio und mischten „I want you“ ab, zwei Tage später gab es die letzten gemeinsamen Fotoaufnahmen durch den Fotograf Ethan Russell. „Abbey Road“ gilt heute nicht nur als eines der musikalisch ausgereiftesten Beatles-Alben, sondern wurde von den Leserinnen und Lesern der Musikzeitschrift Rolling Stone überdies in dessen Liste der 500 besten Alben aller Zeiten auf Platz 14 gesetzt.

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