„Overtime-Niederlage“: Science City Jena unterliegt in Oldenburg erst nach Verlängerung

18.10.16 • JEZT AKTUELL, NEWSCONTAINER, SPORT, START, UNSER JENAKeine Kommentare zu „Overtime-Niederlage“: Science City Jena unterliegt in Oldenburg erst nach Verlängerung

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Oldenburgs Rickey Paulding entschied mit seinen Distanzwürfen in der Verlängerung das Duell zu Gunsten der Niedersachsen. – Foto © Science City Ulf Dulda

JEZT - JenaSport LogoMit einer 81:90-Niederlage nach fünfminütiger Verlängerung kehrt Science City Jena vom Gastspiel bei den EWE Baskets aus Oldenburg zurück. Die Ostthüringer unterlagen in Niedersachsen vor 4524 Zuschauern nach grandioser kämpferischer Leistung, konnten sich trotz langem Atem sportlich leider erneut nicht belohnen. Zum entscheidenden Akteur avancierte Oldenburgs Vorzeige-Senior Rickey Paulding, der in der Overtime zehn seiner 20 Punkte erzielte, darunter drei Distanzwürfe versenkte und das Duell zu Gunsten seines Teams kippen lies. Die Saalestädter lieferten dem Playoff-Anwärter über fast die gesamte Spielzeit eine große Schlacht, haben aufgrund der Spielverlegung gegen Bayern München (neu: 21.12.2016) nun bis zum 30.Oktober Zeit um ihre Wunden zu lecken, bevor die Telekom Baskets aus Bonn in der Sparkassen-Arena gastieren.

Während Science City bei den Niedersachsen zu Beginn des Startabschnitts loslegte wie die Feuerwehr, benötigten die Gastgeber knapp fünf Minuten, um sich mit dem zuvor auf dem Parkett Erlebten anzufreunden. Nach einer dominanten Phase von Jenas Zonen-Brecher Kenny Frease, der die Saalestädter in der 3.Minute mit 10:3 in Führung gebracht hatte, fanden die Oldenburg langsam zu ihrem Rhythmus. Dem Flügelspieler der Hausherren, Philipp Schwethelm, war es aus der Distanz vorbehalten, zum zwischenzeitlichen 12:12 (7.) auszugleichen, bevor das Duell kurz in Richtung der Huntestädter kippte. Ein ansatzloser Dreier von John Little, parallel zur Viertelsirene drehte die Begegnung jedoch erneut zu Gunsten des Harmsen-Teams, 19:18 für Science City Jena.

Dafür stand der zweite Spielabschnitt ganz im Zeichen von Oldenburgs Center-Schwergewicht Brian Qvale. Der 115 Kilogramm schwere Wonneproppen der Niedersachsen erzielte im Abschnitt bis zum Kabinengang stolze acht Punkte, sorgte neben dem Führungswechsel auch für ein Anwachsen des Hausherren-Vorsprungs. Doch die Ostthüringer stemmten sich kollektiv gegen den offensiv zunehmenden Druck der Donnervögel, ließen sich bis zur Halbzeitpause und einem Oldenburger 34:30-Pausenvorsprung nicht abschütteln. Der Abschnitt nach dem Kabinengang ging unterdessen an die EWE Baskets, die das Duell trotz des Verstopfers von Paulding in der 21.Minute immer besser in den Griff zu bekommen schienen. Zwar versuchten die Spieler des Erstliga-Aufsteigers aus Jena sich gegen das frühzeitige Abdriften auf die Verliererstraße zu wehren, mussten nach einem Korb von Schwethelm zum 45:35 (24.) den ersten zweistelligen Rückstand der Partie schlucken. Wie intensiv die Hausherren am defensive Ende des Courts zulegten, unterstrichen gleich zwei Shotclock-Verstöße des Harmsen-Teams, dass innerhalb von zwei Minuten den Abschluss innerhalb der 24 Sekunden verpasste.

Offensiv angeschlagen taumelten die Thüringer in Richtung Viertelsirene, um sich mit einem dennoch erträglichen 46:56-Rückstand in die neutrale Ecke zu retten. Was nun folgte war ein Schlussabschnitt, der allen anwesenden Zuschauer ihren Puls in ungesunde Höhen schraubte. Angetrieben vom erneut überzeugenden Jenaer Topscorer Marcos Knight entkrampfte sich Science City, lies sich auch von der frühen Oldenburger Auszeit nach dem 56:52-Anschluss (32.), nicht aus dem Rhythmus bringen. Zwar behaupteten die Huntestädter anfänglich noch ihre zusammengeschmolzene Führung, nach einem Freiwurf von Immanuel McElroy zum 56:56 (33.) war die Begegnung jedoch wieder so offen wie ein altes Ford Escort Cabriolet. Immer häufiger präsentierten sich nun auch die Gastgeber wie ein deutlich gezeichneter Schwergewichtsboxer in der zehnten Runde und während Jenas Treffer zunehmend Wirkung zeigten, nahm der Thriller noch einmal richtig Fahrt auf.

Paulding, Dreier zum 63:60, Jenkins ebenfalls aus der Distanz, 63:63 (36.), Qvale zur erneuten Oldenburger 65:63-Führung, die John Little postwendend egalisieren konnte – beide Teams hangelten sich längst im Gleichschritt durch die vermeintlich finalen Minuten, die den Weg zu einer nervenaufreibenden Crunchtime ebnen sollten. Nachdem Duggins die Niedersachsen mit einem Dreier zum 68:65 (37.) beruhigen konnte, sorgten Knight mit einem herausragenden Fünf-Meter-90-Tip-In sowie McElroy staubtrocken aus der Mitteldistanz für einen erneuten Kurswechsel des Duells. Plötzlich lag der Außenseiter aus Thüringen mit 69:68 vorn, wähnte sich unmittelbar vor dem angepeilten Überraschungssieg. Doch wie schon gegen Bayreuth sollte es anders kommen. Erneut war es Duggins, der 29,4 Sekunden vor Ultimo einen schwierigen Dreier zum viel umjubelten Oldenburger 73:72 durch die Jenaer Reuse schickte und die Saalestädter erneut unter Zugzwang brachte. Während Philipp Schwethelm nach einem Stop-the-Clock-Foul die Hände flatterten, nur ein verwandelter Schuss sein Ziel fand, bedeuteten je ein verworfener und ein getroffener Freiwurf eine dünne 74:72-Führung der EWE Baskets.

Mit der verbleibenden Restspielzeit von straff gehaltenen 4,9 Sekunden stand Science City vor der anspruchsvollen Aufgabe, den Spielstand auszugleichen oder gar per Distanzwurf zu beenden. Situationsbedingt wanderte der Spalding in die Hände von Marcos Knight der 0,2 Sekunden vor der Schlusssirene zum 74:74 ausglich. Was dramatisch geendet hatte, sollte nun auch in der fünfminütigen Sonderschicht seinen Spannungsbogen behalten. Allerdings hatte BBL-Veteran Rickey Paulding etwas dagegen. Innerhalb von zweieinhalb Minuten beendete der Routinier alle Jenaer Ambitionen auf einen trotz der schweren Ausgangslage angestrebten Erfolg. Humorlos zischten während der Verlängerung insgesamt drei Würfe des US-Amerikaners jenseits des Perimeters durch den Ring vom Science City. Auf der Jenaer Seite war das offensive Pulver nass geworden.

Für die Jenaer Riesen, die am kommenden Wochenende zwar spiel- dennoch keinesfalls trainingsfrei genießen dürfen, gehören die Niedersachsen zwar ursprünglich nicht zum Beuteschema der zu schlagenden Keller-Teams, dennoch befand sich ein Auswärtssieg in greifbarer Nähe.

Björn Harmsen: Die knappe Niederlage schmerzt, man könnte fast schon von Gewohnheit sprechen, denn uns trifft es so auf diese Art das dritte Mal. Aber Glückwunsch an Mladen und Oldenburg. Sie haben in der entscheidenden Phase am Ende die wichtigen Würfe getroffen. Wenn man die macht, dann gewinnt man auch. Uns hat in der Verlängerung ein wenig die Kraft gefehlt.





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