„Radaue bleibt!“ – Löbstedter wurden von der Duldungsverlängerung für die Wagenburg „kalt erwischt“

03.03.18 • JEZT AKTUELL, NEWSCONTAINER, POLITIK & URBANES LEBEN, START, UNSER JENAKeine Kommentare zu „Radaue bleibt!“ – Löbstedter wurden von der Duldungsverlängerung für die Wagenburg „kalt erwischt“

Die Anfänge der Wagenburg in Jena-Löbstedt im Frühsommer letzten Jahres. – Foto © MediaPool Jena

(Kerstin Franke) – „Versprochen ist versprochen und wird auch nicht gebrochen.“ – Ein schöner Spruch, der oft aber auch einfach nur so dahingesagt wird, wenn man Zeit gewinnen will. Genauso empfinden es die Einwohner von Löbstedt, nachdem die ein Jahr zuvor von Jenas Oberbürgermeister Dr. Albrecht Schröter eigenmächtig ausgesprochene Duldung eines Wagenplatzes im Ortsteil, direkt am Hochwasserflut- sowie im Landschaftsschutzgebiet, jetzt für weitere drei Monate verlängert worden ist.

So beschloss es dieser Tage der Hauptausschuss des Jenaer Stadtrats, nachdem der OB diese „Last“ der Duldung nicht mehr auf seinen eigenen Schultern habe tragen wollen, wie es mehrere Mitglieder des Hauptausschusses inzwischen bestätigten. Eigentlich hatten die Bewohner Ende Februar 2018 verbindlich das Gelände „Am Steinbach“ räumen sollen, erklärte Löbstedts Ortsteilbürgermeister Karsten Seiffarth der Ostthüringer Zeitung. Bei einer Runde mit allen Ortsteilbürgermeistern habe Oberbürgermeister Schröter noch im Februar „ausdrücklich gesagt, dass die Duldung Ende Februar ausläuft“. Davon sei jetzt keine Rede mehr.

In höchstem Maße überrascht und sichtlich enttäuscht zeigte sich der von den Löbstedtern gewählte Bürgervertreter von der nun um ganze drei Monate verlängerten Duldung. Dabei ist es nicht unbedingt die Tatsache, dass der neue Termin für eine mögliche Räumung die lange feststehende 800-Jahr-Feier des Ortsteils Anfang Juni 2018 konterkarieren könnte. Dies sei eine Unsensibilität gegenüber den Bürgerinnen und Bürgen, die vorkommen kann, wenn man sich nicht für Ortstraditionen interessiere, heißt es aus Ortsteilrat und Festkommitee. Was wirklich verärgere, sei die Tatsache, dass man Löbstedt ein weiteres Mal nicht in die Pläne und Abläufe eingebunden habe. Auch im vergangenen Jahr hatte Ortsteibürgermeister Seiffarth erst von Bürgern erfahren, dass sich an der Saale mehrere Bauwagen befinden. Über die Duldung wurde der Ortsteilrat erst auf Nachfrage informiert.

So sah die Wagenburg der „Radaue“ im November 2017 aus. – Foto © MediaPool Jena

Dass die Wagenbürger sich zuerst ohne Ankündigung in Löbstedt angesiedelt hatten, sich später eine Meldeadresse ohne behördliche Genehmigung selbst erteilten („Steinbach 16“), um danach einen „Einwohnerantrag“ und eine Petition beim Hauptausschuss der Stadt Jena einzureichen, sei Angelegenheit der Stadt Jena und nicht des Ortsteils, sagt man in Löbstedt. Ein Jahr lang wusste man in der Verwaltung und im OB-Bereich, dass der Termin 28. Februar 2018 als Duldungsablauf feststehe, habe aber nicht wirklich etwas getan. Nun soll in wenigen Wochen der Flächennutzungsplan geändert und dort eine Fläche für die Wagenburg ausgewiesen werden. Jedoch besteht – vom Zeitproblem einmal abgesehen – außerhalb Löbstedts kaum Begeisterung an einer Ansiedlung, wie man aus dem Rathaus hören kann.

Zur Zeit leben knapp ein Dutzend Wagenbürger in den umgebauten Wohn- und Bauwagen der „Radaue“. Sie sind an keine Strom- und Wasserleitungen angeschlossen, entrichten weder Pacht noch Sondernutzungegebühren für ihren Wohnplatz, bezahlen aber Müllgebühren und haben Dixie-Toiletten aufgestellt. Mit seinem Einwohnerantrag und der Petition möchte der „Auf Achse e.V.“ erreichen, dass die Stadt Jena den Wagenplatz legalisiert, jedoch nicht unbedingt am derzeitigen Standort an der Saale. Der Antrag ist Thema der nächsten Stadtratssitzung am 14. März 2018, zu der auch der Löbstedter Ortsteilbürgermeister zu Wort kommen wird.





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