„Gefährliche Beulen“: Jährlich operieren UKJ-Chirurgen etwa 100 Patienten an der Hauptschlagader im Bauch- und Brustraum

06.08.18 • INFOS FÜR STUDIERENDE, JEZT AKTUELL, NEWSCONTAINER, START, UNSER JENA, WISSENSCHAFT, MEDIZIN & TECHNIKKeine Kommentare zu „Gefährliche Beulen“: Jährlich operieren UKJ-Chirurgen etwa 100 Patienten an der Hauptschlagader im Bauch- und Brustraum

Ein Großteil der Bauchaortenaneurysmen wird minimalinvasiv behandelt. Jenaer Gefäßchirurgien bei einem solchen Kathetereingriff. – Foto © UKJ Schacke

(UKJ/km) – Ein Aneurysma der Hauptschlagader (Aorta) kann lebensgefährlich werden. Am häufigsten tritt eine solche Gefäßausstülpung in der Bauchschlagader auf. Reißt sie ein, drohen die Patienten ohne schnelle professionelle Hilfe innerlich rasch zu verbluten und können nur bei einem hohen Risiko von Komplikationen überleben. Die Gefahr eines Risses – Mediziner sprechen von Ruptur – ist umso höher, je größer die Ausbeulung der Bauchaorta ist. „Bei einem circa fünf Zentimeter großen Aneurysma droht fünf Prozent der Patienten innerhalb eines Jahres eine Ruptur“, erklärt Privatdozent Dr. Jürgen Zanow, leitender Gefäßchirurg von der Klinik für Allgemein-, Viszeral- und Gefäßchirurgie am Universitätsklinikum Jena. „Ist es jedoch bereits acht Zentimeter groß, versiebenfacht sich dieses Risiko.“ Die Behandlung von Aorten-Aneurysmen gehört zu den Schwerpunkten der UKJ-Chirurgen. Jährlich operieren sie rund 100 Patienten an der Hauptschlagader im Bauch- und Brustraum.

Gefährdet sind vor allem Männer ab 65 Jahre. Grund: Im Alter nimmt die Elastizität der Gefäße ab, oft sind die Gefäße durch hohen Blutdruck und Arteriosklerose, vor allem bei (Ex-)Rauchern, zusätzlich geschädigt und das Aneurysma wächst ohne entsprechende Behandlung mit rasch steigendem Ruptur-Risiko kontinuierlich. Auch eine familiäre Häufung solcher Aneurysmen ist bekannt. Das Problem bei einem Bauchaorten-Aneurysma: „Fast alle Patienten haben bis zum plötzlichen Riss keine Beschwerden“, sagt Dr. Zanow. Viele Betroffene wissen deshalb nichts von dem Risiko, das sie mit sich herumtragen. Bei anderen wird das Aneurysma meist per Zufallsbefund festgestellt, zum Beispiel bei einer Ultraschalluntersuchung der Nieren.

Seit einigen Monaten gibt es deshalb für Männer ab 65 Jahre die Möglichkeit der einmaligen Vorsorgeuntersuchung (Screening) mittels Ultraschall zur Erkennung solcher potenziell gefährlicher Gefäßerweiterungen. Da bei Männern über 65 Jahre die Wahrscheinlichkeit für ein Aneurysma mit vier bis acht Prozent höher als bei Frauen ist, wird aktuell von den Krankenkassen diese Vorsorgeuntersuchung nur für Männer angeboten. Diese Untersuchung kann jeder Arzt vornehmen, der zu Ultraschalluntersuchungen befähigt ist. Findet sich hier ein auffälliger Befund, sind eine Überweisung zum Gefäßchirurgen zur Festlegung weiterer Kontrollen oder aber eine entsprechende Behandlung notwendig.

Bei der klassischen offenen Operation wird über einen Bauchschnitt der erweiterte Anteil der Bauchschlagader entfernt und durch eine Gefäßprothese ersetzt. Zumeist wird inzwischen jedoch ein minimal-invasives Verfahren angewandt – die endovaskuläre Reparatur der Aorta (EVAR), die teilweise auch unter lokaler Betäubung möglich ist. Vergleichbar der Herzinfarktbehandlung führen die Gefäßspezialisten unter Röntgen-Kontrolle über die Leistenarterien Katheter ein, über die dann in dem betroffenen Segment der Bauchschlagader eine innere Gefäßprothese (Stentgraft) platziert wird. So kann ein weiteres Wachstum und eine Ruptur des Aneurysmas verhindert werden. Mit diesem Verfahren werden in Deutschland inzwischen über 70 Prozent der Bauchaorten-Aneurysmen behandelt. Der Vorteil dieses minimalinvasiven Verfahrens ist eine deutlich niedrigere Komplikationsrate als bei der offenen chirurgischen Versorgung. „Aber anders als bei einer offenen Operation bleibt das Aneurysma im Körper“, erläutert Dr. Zanow. Deshalb sind nach einer minimal-invasiven Aortenreparatur regelmäßige Nachuntersuchungen nötig.

Einmal jährlich stellen sich die Patienten zu einer Ultraschalluntersuchung der Bauchschlagader vor. Findet sich hier, oft auch nach Jahren möglich, eine Auffälligkeit, kann unter Umständen ein neuerlicher Katheter-Eingriff erforderlich sein. Deshalb wird auch am UKJ nach einer gründlichen Diagnostik abgewogen, welches Verfahren für welche Patienten am besten geeignet ist. Neben der Eignung der Gefäße für eine endovaskuläre Operation ist auch der allgemeine Gesundheitszustand der Patienten bedeutsam. „Gefäßpatienten sind oft ältere Menschen, die meist auch unter anderen schweren Erkrankungen, zum Beispiel am Herzen leiden, und bei denen so auch das Risiko bei einer offenen Operation höher ist als bei jüngeren Menschen“, nennt Dr. Zanow ein Kriterium. Bei Patienten mit einem auffälligen Befund der Aorta, aber auch bei Fragen zu dieser Problematik, ist die Gefäßambulanz der Ansprechpartner.





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