Mehr Sicherheit für Patienten: Dr. Ansgar Raadts setzt sich für einen bewussten Umgang mit Blut am UKJ ein

10.06.19 • STARTKommentare deaktiviert für Mehr Sicherheit für Patienten: Dr. Ansgar Raadts setzt sich für einen bewussten Umgang mit Blut am UKJ ein

(ukj/boe) – Im Operationssaal 5 des UKJ steht eine Hüft-Operation auf dem Plan. Die 71-jährige Patientin leidet schon seit vielen Jahren an Arthrose im Hüftgelenk. Deshalb tauschen die Jenaer Experten das verschlissene Gelenk gegen eine künstliche Hüfte aus. Hüftoperationen sind oft mit hohen Blutverlusten verbunden, die durch Fremdblut ausgeglichen werden müssen – nicht so bei der 71-Jährigen. Denn ihre behandelnden Ärzte haben sie bereits im Vorfeld optimal auf die Operation vorbereitet.

Blutspenden retten Leben – das weiß jeder. Jährlich benötigen die Mediziner allein am UKJ für Patienten mit Leukämie oder akutem Blutverlust etwa 20.000 Konserven mit roten Blutzellen, auch Erythrozytenkonzentrate genannt. Was vielen nicht bewusst ist: Wie jedes Medikament kann auch eine Bluttransfusion Nebenwirkungen haben. „Jede Blutübertragung ist eine kleine Transplantation, auf die der Körper reagiert. Ein längerer Krankenhausaufenthalt, ein höheres Sterberisiko oder Infektionen können die Folge sein“, gibt Dr. Ansgar Raadts, Oberarzt an der Klinik für Anästhesiologie und Intensivmedizin am UKJ, zu bedenken.

Um Patienten vor diesen Risiken zu schützen, haben die Universitätskliniken in Frankfurt am Main, Bonn, Kiel und Münster im Jahr 2013 das sogenannte „Patient Blood Management“, kurz PBM, entwickelt. Mit diesem Konzept sollen Blutarmut und Blutverlust verringert und ein bewusster Umgang mit Blutkonserven gefördert werden. Positiver Nebeneffekt: die Zahl der notwendige Blutkonserven, die aufgrund des demografischen Wandels ohnehin immer knapper werden, nimmt ab. Seit Ende 2017 ist das UKJ Teil des zugehörigen PBM Netzwerks, dem sich mittlerweile mehr als 100 Kliniken angeschlossen haben. Dr. Raadts sorgt als Koordinator des Projekts am Jenaer Klinikum dafür, dass alle Mitarbeiter die Maßnahmen des Konzepts umsetzen – zur Sicherheit der Patienten.

Im Zentrum des PBM stehen drei wesentliche Ziele: Vor geplanten Operationen mit hohen Blutverlusten misst der behandelnde Arzt zunächst den Hämoglobin-Wert im Blut des Patienten. Unterschreitet dieser Wert eine feste Grenze, liegt eine Blutarmut vor, auch Anämie genannt. „Blutarmut ist gar nicht so selten. Etwa ein Drittel der Patienten vor einer Operation leidet daran, oft verursacht durch Eisenmangel“, weiß Dr. Raadts. Eine Anämie kann in vielen Fällen gut behandelt werden. Das nimmt aber Zeit in Anspruch. „Deshalb sollte ein Patient etwa zwei bis vier Wochen vor dem geplanten Risiko-Eingriff zur Abklärung in die Klinik kommen“, sagt der Anästhesist und Intensivmediziner.

Der sparsame Umgang mit Blut beginnt bereits bei gezielten Blutentnahmen für Laboruntersuchungen. – Foto: UKJ Schroll

Die zweite Säule des PBM bezieht sich auf den sparsamen Umgang mit dem Blut des Patienten. Das beginnt bereits bei gezielten Blutentnahmen für die Untersuchung im Labor. „Jedes Röhrchen Blut fehlt dem Patienten. Deshalb wollen wir nicht nur die Anzahl der Blutentnahmen auf ein Minimum reduzieren, sondern auch die Größe der Entnahmeröhrchen“, so Dr. Raadts. Während der Operation kann der Blutverlust durch verschiedene Maßnahmen so gering wie möglich gehalten werden, beispielsweise durch minimalinvasive Operationstechniken, bei denen nur kleinste Schnitte für den Eingriff notwendig sind. „Sollten während der Operation größere Mengen Blut aus der Wunde austreten, können diese aufgefangen, gereinigt und schließlich dem Patienten zurückgeführt werden“, beschreibt der Anästhesist die sogenannte maschinelle Autotransfusion. Außerdem können die Mediziner die Blutgerinnung durch verschiedene Präparate beeinflussen – und durch eine konstante Körpertemperatur des Patienten. Denn: Kälte erhöht die Blutungsneigung.

Als dritte und letzte Säule appelliert das Konzept an die Mediziner, Blutprodukte rational einzusetzen. Eine Checkliste regelt am UKJ, unter welchen Voraussetzungen ein Patient eine Bluttransfusion erhalten darf. „Vor der Gabe jedes einzelnen Blutkonzentrats müssen all diese Voraussetzungen geprüft werden“, sagt Dr. Raadts. Liegt eine Bedingung nicht vor, darf der Patient die Konserve nicht erhalten.

Ob Pfleger auf Station, medizinisch-technische Assistenten im Labor oder Ärzte im Operationssaal: Die Mitarbeiter am UKJ arbeiten interdisziplinär zusammen, um mit diesen Maßnahmen die Patienten vor unerwünschten Nebenwirkungen zu schützen – so wie bei der 71-jährigen Hüft- Patientin. Ihre Blutarmut wurde rechtzeitig von ihrem behandelnden Orthopäden erkannt und der Eisenmangel gemeinsam mit den Anästhesisten am UKJ behandelt. Die Unfallchirurgen operierten die Patientin so blutsparend wie möglich. Und das alles mit Erfolg: Bei ihrem Eingriff musste keine Blutkonserve eingesetzt werden.

„Patienten, die eine Bluttransfusion erhalten, dürfen aber unbesorgt sein“, beruhigt Dr. Raadts. Denn eins ist klar: Verliert ein Mensch zu viel Blut, beispielsweise durch einen Verkehrsunfall oder während einer Operation und ist die Indikation gegeben, kann eine Blutübertragung sein Leben retten.


Bildhinweis zum Titelfoto: Dr. Ansgar Raadts koordiniert das Projekt „Patient Blood Management“ am UKJ. – Foto = UKJ Schroll





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