Bürger-Arbeitsgruppe Eichplatz: „Konsequent inkonsequent“ oder: Was zeigen die Ergebnisse aus der Ideen-Werkstatt vom Sommer?

21.11.14 • JEZT AKTUELL, START, UNSER JENA5 Kommentare zu Bürger-Arbeitsgruppe Eichplatz: „Konsequent inkonsequent“ oder: Was zeigen die Ergebnisse aus der Ideen-Werkstatt vom Sommer?

JEZT - Praesentation der Buergerarbeitsgruppe zur Ideenwerkstatt in der Rathausdiele - Foto © Rainer Sauer Jena

(JEZT / JENAREPORTER THOMAS ROTH) – „Viele Menschen = viele Ideen“: diese Weisheit ist nicht neu und zeigte sich auch bei der gestrigen Präsentation der Ergebnisse der „Ideenwerkstatt Eichplatz“ in der Jenaer Rathausdiele.

Von der sog. Bürgerarbeitsgruppe stellten u.a. Frau Dr. Jänchen und Bastian Ebert (Piraten), Dr. Eckhardt Birkner und Heidrun Schrade (Bürger für Jena / Unser Jena) sowie Rosa Maria Haschke (CDU) die Ideen und Vorstellungen zur Zukunftsgestaltung von Jenas zentralem Platz  vor. Im Einzelnen habe es rund 1.200 grundsätzliche Nennungen von Prioritäten gegeben, wurde berichtet.

Im Rahmen des Fragebogens wurde im Einzelnen nachgefragt, was die Bürger so über den Eichplatz denken. So wurde berichtet, es habe 1.574 Nein-Stimmen und 344 Ja-Stimmen für die im ersten Halbjahr von den Jenaer Bürgern im Bürgerentscheid mehrheitlich abgelehnten Bauprojekte gegeben. Bewertet nach einem Punkte-Auswertungssystem der Fragebögen ergaben sich 150 Punkte dafür, die im öffentlichen Eigentum stehende Fläche des Eichplatzes nicht an  einen Investor zu verkaufen. 145 Punkte gab an Kritik am Vernichten der Bäume auf dem Eichplatz-Areal. Mehrere Nennungen zwischen 100 und 140 Punkten gab es zu verschiedenen Aspekten der Platz-Architektur (= Freifläche, Hochhaus, Handelsgebäude, Wohnen) und mit weniger als 100 Punkten wurde das unausgegorene Verkehrskonzept genannt. Alles in allem also eine konsequent inkonsequente Bürgermeinung.

JEZT - Vorstellung der Ergebnisse der Ideenwerkstatt Eichplatz in der Rathausdiele - Foto © Rainer Sauer Jena

Einigkeit bei etwas mehr als der Hälfte der Bürger, die Fragebögen ausgefüllt hatten, gab es in der Richtung, dass auf dem Eichplatz „endlich gebaut werden“ solle. Nur 12 Punkte erreichte die Überzeugung, dass das städtische Handelskonzeptes stimmig ist und noch weniger Überzeiugung gab es zum aktuellen Verkehrskonzept der Stadt Jena, wie gestern ausgeführt wurde. Und woher kam die diffuse Ablehnung der städtischen Pläne bei der Bürgerbefragung des Oberbürgermeisters? Diese Frage konnte auch im Rahmen der Ideenwerkstatt nicht beantwortet werden. Tatsache sei es jedoch, sagte die Bürgerarbeitsgruppe, dass mit geschätzten 1.300 Teilnehmern eine beachtlich große Zahl an Bürgern an der Ideenwerkstatt teilgenommen habe.

Auch zur Auswertung der Fragebögen selbst gab es Auskunft: Aus 486 ausgefüllte Fragebogen ergaben sich konkrete Themenkomplexe für eine zukünftige Platzgestaltung. 133 Fragebögen konnten aus technischen Gründe nicht erfasst werden und auch die elektronischen Jenapolis-Fragebogen seien nicht in die gestrige Präsentation aufgenommen worden, so wurde berichtet.

Was war den Bürgern sonst noch wichtig? So solle die Debatte auch zukünftig öffentlich geführt werden sagten 87 % der Bürger. Auf welche Art und Weise sollen zukünftig Infos zum Eichplatz weitergegeben werden, wurde gefragt und die überwiegende Meinung sei gewesen, dass dies über die Lokalpresse geschehen solle, aber auch Online-Medien und Bürgerversammlungen wurden genannt.

JEZT - Ideenwerkstatt Eichplatz in der Rathausdiele in Jena

Als Fazit wurde von Seiten der Bürgerarbeitsgruppe nochmals gesagt, dass es fast gleich große Wünsche gab, auf dem Eichplatz eine innerstädtische Pausen- und Erholungsfläche zu errichten bzw. dass die Brache beseitigt werden müsse. Ebenso gab es ganz offensichtlich ein Definitionsproblem in Sachen „Verkehr“, was sich darin zeigte, dass es viele Nennungen gab, man möchte keinen Verkehr in der Innenstadt aber trotzdem eine Tiefgarage. Auch Radfahrer und Fußgänger haben „offensichtlich ein Problem miteinander“: So hieß es übereinstimmend, die Löbderstraße sei nicht so breit, dass sie von Fußgängern und Radfahrer gemeinsam optimal genutzt werden können.

Im Detail wurde sich von Seiten der Radfahrer einerseits darüber beklagt, dass um den Eichplatz herum Fußwege zurück zu bauen sind, andererseits sollten Radwege intensiviert werden. Die Fußgänger dagegen votierten dafür, die Radfahrer „raus aus der Fußgängerzone“ zu halten. Auch die Autofahrer votierten und zwar für einen Einbahnstraßenring um die Innenstadt herum.

Zum Thema der Platzgestaltung gab es als Ergebnis drei konträr unvereinbare Auffassungen, jeweils mit etwa 30 % gleichstark. So wünschten sich die Bürger jeweils an gleicher Stelle entweder eine grüne Lunge, eine Hochhaus-Wohnbebaung oder Handelseinrichtungen wünschen; „eine eierlegende Wollmilchsau“ wie es ein Bürger treffend ausdrückte. Sprich: Würde man jeweils eines der „Konzepte“ bei den Jenaern per Bürgerbefragung zur Abstimmung bringen, ergebe sich immer 70 % Ablehnung und nur 30 % Zustimmung und damit in etwa genau das Ergebnis der in diesem Jahr stattgefundenen Bürgerbefragung durch den Oberbürgermeister.

JEZT - Vorstellung der Ergebnisse der Eichplatz-Ideenwerkstatt in der Rathausdiele - Foto © Rainer Sauer Jena

Ebenso gegenteilig sei einerseits der Wunsch, die Seite der Johannisstraße, welche zum Eichplatz zeigt, nicht zu bebauen und freigestellt zu lassen, andererseits die Bebauung der Johannisstraße voranzutreiben und den Eichplatz hier zu bebauen, die ebenso nahezu gleichwertig gewesen seien, wie Dr. Birkner ausführte. Birkner sorgte dann am Ende der Veranstaltung noch einmal für Irritationen unter den vielen Gästen der Rathausdiele als er Turm-Investor Saller angriff und ihm vorhielt, er habe sein Einkaufszentrum  „Neue Mitte“ seinerzeit entgegen Beschlüssen des Stadtrates „illegal“ gebaut.

Insgesamt kann man sagen, dass es eine gelungene Veranstaltung war, die gestern im Rathaus stattfand, deren Ergebnisse aber unterschiedlicher nicht sein könnten. Unter den zahlreichen Gästen im Rathaus waren auch Mitglieder von „JEZT – Jenas Zukunft mitgestalten“, dessen Aufgabe nun mit sein könnte, eine Einheitlichkeit der Bürgerwünsche zu erreichen.

Darüber hinaus zeichnete ZONO Radio Jena die gesamte Veranstaltung für den Hörfunk auf; sie wird in nahezu voller Länge am Sonntag Abend, 23.11.2014,  ab 20 Uhr auf UKW 103,4 MHz bzw. im Interner beim Offenen Hörfunkkanal Jena noch einmal zu hören sein.





5 Kommentare

  1. Campino sagt:

    Schöner Artikel. Werde mir alles am Sonntag mal in Ruhe anhören. Wollte mich nochmal dafür bedanken, dass Ihr im Sommer auch für die Ideenwerkstatt geworben hattet. Nur könnte die Internetseite Eichplatz-Info mal aktualisiert werden.

    Euer Campi

  2. Jan Kretschmer sagt:

    Nun ist es bereits 14 Uhr und in der Presse, online bei Jenapolis oder anderswo ist nichts zu finden über die Veranstaltung gestern. Nur bei Ihnen und deshalb wende ich mich auch mal an Sie.

    Können Sie vielleicht ein paar Fotos zeigen, von Zeichnungen oder Entwürfen, die gestern vorgestellt wurden. Meine Tochter hatte in der Ideenwerkstatt einen Vorschlag eingereicht und ich möchte nur wissen, ob der Berücksichtigung fand oder nicht.

    Danke
    Jan Kretschmer

    • JEZT Aktuell sagt:

      Leider wurden bei der Veranstaltung so gut wie gar keine Zeichnungen, Skizzen oder Entwürfe gezeigt. Deshalb gibt es wohl auch keine Fotos davon. Bitte setzen Sie sich zwecks Kontakaufnahme mit Frau Heidrun Schrade von der Bürgerarbeitsgruppe in Verbindung über die Mailadresse: heidrun-schrade@web.de.

      Thomas E. Roth

  3. marcus sagt:

    auch von meiner seite aus gibt es zustimmung. der bericht ist sachlich und deckt sich mit meiner wahrnehmung am gestigen abend. nur finde ich hätte man noch einzelne statements von bürgern erwähnen müssen, denn die gab es zu hauf. hier im artikel sind aber nur die etablierten „macher“ von den beiden initiativen zu wort gekommen. da wurde dann auch gesagt, wenn das bei der stadt nicht so läuft, wie die bürger wollen, dann machen wir druck. da muss ich aber den tenor des artikels bestätigen: es gab viele völlig unterschiedliche ideen und die kann man ja wohl nicht alle zur gleichen zeit auf dem platz umsetzen.

  4. Detlef sagt:

    Fazit ist doch ganz einfach:
    viel Freiraum lassen für Grünanlage, viele möchten auch einen großflächigen Brunnen, Wasserspiele – daneben in einem Café sitzen hat doch was !
    Bebauung ja, aber nicht den ganzen Platz und ein Hochhaus darf es auch sein!
    Verkehr in Tiefgarage lenken und zwar 2geschossig
    eine kleine Zusammenfassung hätte dies noch mal deutlich gemacht !

    War eine zeitlang bei der Ideenwerkstatt mit aktiv und es fanden alle Zeichnungen und Vorschläge Berücksichtigung.

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