Über Menschen in Jena und der Region – oder: „Mein August 2015“ (von Rainer Sauer)

07.09.15 • JEZT AKTUELL, START, UNSER JENA11 Kommentare zu Über Menschen in Jena und der Region – oder: „Mein August 2015“ (von Rainer Sauer)

JEZT - Schreibtisch von Rainer Sauer im September 2014 - Foto © Rainer Sauer Jena

JEZT - Mein Monat Logo„Wir stehen vor einer großen nationalen Aufgabe!“ Das hatte Bundesinnenminister Thomas de Maizière vor wenigen Tagen verkündet, als er die Flüchtlingsprognose nach oben korrigierte. Seit Anfang des Jahres seien fast 415.000 Flüchtlinge nach Deutschland gekommen. Allein im August waren es mehr als 100.000 – so viele wie noch niemals zuvor in einem einzigen Monat. Inzwischen rechnen die Behörden mit mindestens 800.000 Migranten in diesem Jahr – Tendenz: steigend; allein an diesem Wochenende kamen rund 20.000 neue Flüchtlinge in Deutschland an.

Natürlich machen viele Jenaerinnen und Jenaer etwas für Flüchtlinge und zwar eherenamtlich und ohne groß darüber zu reden – selbstverständlich. Leider machte dies auch die Thüringer Landesregierung, als sie Räumlichkeiten für Flüchtlinge suchte, wie an diesem Wochenende in Hermsdorf. Zu den Aufgaben von Landesregierungen gehört es leider nicht nur, in Krisenzeiten extrem flexibel sein zu müssen sondern auch die Glaubwürdigkeit.

Auch und gerade, wenn man die Verantwortung über 17 Landkreise und sechs kreisfreie Städte hat, von denen nur zwei Erstaufnahmelager „verordnet“ bekamen – Hermsdorf und Suhl – und nun einer davon noch ein wohl dauerhaftes Not-Erstaufnahmelager gleich mit dazu.

Flucht ist kein Verbrechen Teaser 300x250Thüringen ist ein starkes Land und wir haben hier nach der Wende so viel geschafft, weshalb wir auch das schaffen werden. Aber dort zu schweigen, wo man Widerstand befürchtet, wie jetzt im Saale-Holzland-Kreis, und eben nicht zu reden, das ist Gift für die notwendige Akzeptanz, dass Flüchtlinge von nun an zu unserem Lebensalltag gehören. Denn Kommunikation baut Brücken zwischen Menschen und das Hermsdorfer Schweigen der Landesregierung, das Schweigen von Bodo Ramelow gegenüber dem Landrat, dem Bürgermeister und den Bürgern zeigt, wie man „mit links“ regiert.

Bodo Ramelow steht für viele Wähler zudem ab jetzt in einem ganz neuen Licht, da er doch vor noch nicht einmal einem Jahr geschworen hatte, all seine Kraft dem Wohle des Volkes zu widmen, Verfassung und Gesetze zu wahren, seine Pflichten gewissenhaft zu erfüllen und Gerechtigkeit gegen jedermann zu üben. Und fast schon typisch ist es da, dass sich DIE KINKE zudem in den Medien als die Partei der Gutmenschen und Flüchtlingsretter zelebriert und hierbei Worte der Solidarität an die Hermsdorfer vergisst.

Wir Menschen in Jena und der Region müssen nun den Anstand zeigen, die Flüchtlinge willkommen zu heißen und den Mut aufbringen, dies auch ehrlich zu meinen. Wir müssen sie annehmen, so wie sie sind und ihnen vergeben, wenn sie einmal etwas anders machen, als wir es gewohnt sind. Wir müssen dafür sorgen, die Flüchtlingsunterkünfte zu schützen und den Flüchtlingen die bestmögliche Unterbringung zu sichern. Und wir müssen sie als Gäste in unserer Mitte respektieren.

Letzteres wird sich wahrscheinlich als das größte Problem darstellen. Denn woher sollen Menschen, denen man keinen Respekt entgegengebracht hat, lernen, was Respekt ist. Und ich sehe dabei nicht in die Fabrikhalle nach Hermsdorf, sondern eher in die Köpfe ganz bestimmter Menschen in Dresden, Freital, Heidenau und unserer Region.

In diesem Sinne

Ihr

Rainer Sauer, Jena

JEZT - Logo der Aktion Arschloch - Abbildung © Die Ärzte

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11 Kommentare

  1. weltoffen sagt:

    Damit hat Herr Ramelow einem CDU-Landrat und einem parteilosen Bürgermeister schön einen vor den Bug gegeben. Die Ängste und Sorgen der Bürger werden wohl bei den Beiden auflaufen.
    Des Weiteren wird dem braunen Lager durch solche Aktionen auch noch eine Argumentationsgrundlage gegeben. Eine Aufklärungskampagne für die Bürger hätte hier wahrscheinlich allen geholfen. Insbesondere auch den Flüchtlingen.

    Diese Art der „Wir-machen-einfach-Politik“ erinnert mich an einen Satz aus der ostdeutschen Geschichte:
    „Niemand hat die Absicht ….“ (den Rest kannt wohl jeder)

    Ich wünsche den Flüchtlingen auf diesem Wege alles erdenklich Gute, herzlich willkommen in Thüringen.

    • Handwerker sagt:

      Es kommt ja auch noch dazu, dass jeder Handwerker sofort dafür bestraft wird, wenn er etwas ohne Genehmigung macht. Der Staat darf aber anscheinend alles, also wie hier, Hallen umbauen, Industriegelände für Wohnzwecke nutzen, ohne dass er Konsequenzen zu befürchten braucht . Das ist echt linke Politik. Überholen ohne einzuholen!

  2. LINKS BRINGT'S sagt:

    An Bodo Ramelow, einem Menschen der in der Flüchtlingsangelegenheit etwas bewegt, ganz im Gegensatz zu CDU und CSU, herumzumäkeln ist schamlos. Denn es war nicht der MP sondern Innenminister De Maizière, der zuletzt vorgeschlagen hatte, zügig neue Flüchtlingsunterkünfte zu schaffen. Wir können froh sein in Thüringen mit diesem Ministerpräsidenten zu leben. Herr Ramelow, ich danke Ihnen für Ihren Einsatz und für Ihr Engagement.

    • JEZT Aktuell sagt:

      Allerdings gibt es schon einen kleinen aber feinen Unterschied. De Maizière hat dies im Zusammenhang mit noch zu beschließenden Gesetzesänderungen gesagt (auch für Baugenehmigungen – um auf „Handwerker“ zu antworten). Die Landesregierung bricht hingegen geltende Gesetze und begründet dies mit einem Notstand wie es vor Jahren das Hochwasser war. Bodo Ramelow jedoch hat die Notlage erst geschaffen, aus humanitären Überlegungen zwar aber trotzdem auf seine Initiative hin sind die Flüchtlinge in Saalfeld angekommen. Dort war er am Bahnhof … ob er vorher oder nachher in Hermdorf war, ist nicht bekannt.

      Ulf Kaufmann
      JEZT-Redaktion

    • weltoffen sagt:

      1. Es wird hier nicht das Ergebnis in Frage gestellt sondern die Durchführung und die war mangelhaft.
      2. Hat niemand geschrieben die CDU hätte es besser gemacht.
      3. Vielleicht hätte sich nach Absprache mit den Verantwortlichen vor Ort eine bessere Lösung/Unterkunft gefunden.
      Einem Halbsatz stimme ich zu: Wir können froh sein in Thüringen zu leben!

      Und nochmal: Ein herzliches Willkommen an die Flüchtlinge

  3. no sagt:

    Wo bleibt eigentlich der gemeinnützige Verein? Ich finde es ekelhaft wie sich die Kommerzschw. hier präsentiert.

  4. Tobi Reiter sagt:

    Rainer Sauer als “Kommerzschwuchtel” zu bezeichnen, ist schon grenzwertig, entspricht aber durchaus alkoholgeschwängertem Gedankengut. Dass der Kommentar hier zu lesen ist, zeugt zumindest von hohem Meinungsfreiheitsverständnis des von Ihnen Kritisierten. Aber lassen Sie bitte die vielen ehrenamtlichen Helfer bei Ihrer Kritik außen vor, die in gemeinnnützigen Vereinen wie dem DRK ihr Bestes tun, um den ganzen Herausforderungen rund um die Flüchtlingssituation Herr zu werden. Die arbeiten – offensichtlich ganz im Gegensatz zu Ihnen – in ihrer Freizeit am Limit.

  5. Wenigenjenaer sagt:

    Schön, dass Tobi Reiter (wer ist das?) sich hier namentlich äußert. Ich habe nichts von: „Rainer Sauer ist eine Kommerzschwuchtel“ gelesen, aber vielleicht hat Herr Reiter ja intime Einblicke. Bei allem Gefasel vom Herrn Reuter, bleibt doch die Frage offen, wo denn der Eingetragene Verein für diese Seite bleibt? Denn das war für hunderte Werber ein Grund, Tausende Euros ??? für Reklame auszugeben.

    • Der Wenigenjenaer sagt:

      das ist ja schon ein starkes stück, wenn jemand jetzt mein pseudonym benutzt, unter dem ich seit mehr als einem jahr registriert bin und kommentiere. ich bitte die redaktion zu prüfen, wer sich hinter dem namen „wenigenjenaer“ verbirgt und ob es jemand ist, der hier zuvor schon aktiv war. ist es vielleicht sogar mr. „no“?

      • JEZT Aktuell sagt:

        Lieber Nutzer „Der Wenigenjenaer“,

        die gewünschte Überprüfung des Kommentators „Wenigenjenaer“ hat ergeben, dass es sich bei ihm und dem Kommentator „no“ höchstwahrscheinlich um ein und dieselbe Person handelt.

        Der erste Post hat zwar laut „Geolocation“-Auskunft eine verschlüsselte IP aus Kalifornien, die sich aber über VPN nach Jena zurückverfolgen lässt in den Bereich Bg 50,883 / Lg 11,614. Die zweite Nachricht hatte eine weitere Verschlüsselung, die in der Zurückverfolgung den Bereich Bg 50,881 / Lg 11,609 ergibt. Dies entspricht laut Auskunft von „EurekAPI“ dem Quartier Jena Neulobeda West zwischen Biswangerstraße und Emil-Wölk-Straße.

        Ein Datenabgeich mit mehreren twitter-Anmeldungen bzw. Wiederabmeldungen bei JEZT ergab zudem, dass dieser Nutzer bereits früher unter anderem Namen hier mitkommentiert hat. Er wird deshalb wegen eines Verstoßes gegen unsere Mitmachregeln suspendiert.

        Die Redaktion

        • Bürgerlieschen sagt:

          Wie kann das sein, dass Jezt seine Kommentatoren ausforscht, dies aber andere Medien wie Jenapolis unberechtigt vorwirft. Da lacht sich Pinocchio wohl ins Fäustchen.

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