„Die Macht der Nachrichten“ – Wer legt fest, was korrekte Nachrichtenberichterstattung ist?- Antwort: Jeder Einzelne für sich!

31.08.17 • INTERESSANTES, JEZT AKTUELL, NEWSCONTAINER, POLITIK & URBANES LEBEN, STARTKeine Kommentare zu „Die Macht der Nachrichten“ – Wer legt fest, was korrekte Nachrichtenberichterstattung ist?- Antwort: Jeder Einzelne für sich!


JEZT Radio Bericht Teaser(Anja Vollmer/Rainer Sauer) – Viel zu geringes Einkommen, Wohnungsnot, die Aufnahme von Geflüchteten, erst der Diesel- dann der Eierskandal und natürlich der ewige Ärger über „die da oben“: Heutzutage kann bei uns Menschen leicht ein Angstgefühl entstehen, dass „alles“ immer schlechter wird. Geschürt werden solche Ängste auch durch eine Überflutung an Sofortnachrichten, die über Facebook, Twitter oder News-Webseiten verbreitet werden und sozusagen im Minutentakt als News auf unsere Smartphones gepusht werden. Oftmals selektiv und ohne die Quellen oder Zusammenhänge der Meldung zu benennen. – Um „Die Macht der Nachrichten“ geht es in unserem Radio Jena/JEZT-Monatsthema August.

Recep Tayyip Erdogan – Präsident der Türkei by fogbird – FotoliaLicense#117825114

Wie man in den letzen Monaten feststellen durfte, ist mindestens die türkische Regierung ganz vorne dabei, wenn es um die Kontrolle von Social-Media-Plattformen geht und die alleinig staatliche Deutungshoheit, was eine „korrekten“ Nachricht ist. Die Säuberungsaktionen in der Türkei im Sinne des Ministerpräsidenten begannen Ende 2016 mit Festnahmen vieler Menschen wegen „präsidentenfeindlicher Äußerungen“ auf Social-Media-Plattformen, denen zu Beginn dieses Jahres Account-Durchsuchungen folgten – also die absolute Kontrolle dessen, was eine Person in ihrem privatem WhatsApp/Facebook/Twitter-Umfeld oder -Bekanntenkreis geäußert hat und hatte. In das Bild eines staatlich gelenkten vollständigen Abgrasen der Privatsphäre passt auch die Verhaftung von türkischen Dolmetschern, die in Ausübung ihrer Tätigkeit Dinge live übersetzten, die vom Erdogan-Staat als staatsfeindlich oder den Terrorismus unterstützend definiert werden.

Dies zeigt, dass wir aktuell in einer neu entstandenen und was Freiheitsrechte betrifft äußerst flüchtigen Zeit leben, in der das, was gestern selbstverständlich erschien, heute schon gefährlich sein kann. Dabei ist die Macht von Nachrichten kaum zu unterschätzen. Der amerikanische Präsident etwa spricht vor eigenen Ultra-Anhängern gerne das Gegenteil dessen aus, was unabhängige Meinungsforscher und oft sogar die einen Parteianhänger als Realität dar- und feststellen. Sinken seine Beliebtheitswerte stetig nach unten, spricht der Präsident davon, er sei beliebter als jeder US-Präsident vor ihm. Säen rechtsextreme Horden in Charlottesville Hass gegen Juden und Gewalt, werden friedliche Gegendemonstranten schwer verletzt – eine von ihnen gar tödlich – redet Donald Trump von „Gewalt auf beiden Seiten“ und beschönigt den Rassenhass dadurch, dass er sagte, „es gab auch gute Menschen auf beiden Seiten“.

AfD-Kachel im Bundestagswahlkampf 2017 – Bildrechte: AfD Facebook

Sicherlich wird sich dies alles nicht auf Dauer so fortsetzen, aber auch bei uns in Deutschland ist die unterschiedliche Deutungshoheit „korrekter“ Nachrichten vorhanden. Die Zeiten des Zwei-Quellen-Journalismus scheinen vorbei, Nachrichten und Meinungen werden oft nicht mehr getrennt präsentiert, sondern miteinander vermischt, sodass für den Konsumenten kaum noch ermittelbar ist, wem und was und welcher Nachricht er vertrauen kann.

Als profunde Beispiele hierfür können die Webseiten von RT Deutsch und „Epoch Times“ gelten. Das Team um den Enthüllungsjournalisten Günther Wallraff hat u.a. dort verdeckt MitarbeiterInnen eingeschleust, die als Redaktionspraktikanten erforscht haben, wie Nachrichten dieser Webseiten entstehen. Die Erkenntnisse sind erschreckend: Keine der beiden Redaktionen kann dem Bericht nach (Hinweis: Ausgestrahlt wurde er am 28.08.2017 in der RTL-TV-Sendung „Extra“) von sich behaupten, auch nur ansatzweise entsprechend journalistischer Grundsätze zu arbeiten. Stattdessen betreiben die Mitarbeiter bewusst Hetze, üben Verleumdung an Politikern aus oder betreiben Propaganda für bestimmte politische Strömungen. Genutzt werden solche Berichte dann wiederum u. a. von Parteien wie der Alternative für Deutschland, die in Annoncen und Kacheln ihre Anhänger mit den „korrekten“ Nachrichten versorgt. Fazit: Mit professionellem Journalismus hat die Arbeit solcher Redaktionen nichts zu tun, was von den Machern wohl durchaus so beabsichtigt ist.

Zurück nach Jena: Guter Journalismus im (Lokal)Radio und Web setzt verbindlich eine Redaktion mit mehreren MtarbeiterInnen voraus, die in Bezug auf Medienkompetenz geschult sind. Der Offene Hörfunkkanal Jena beispielsweise hat hier mit seinem Rabatz-Projekt über anderthalb Jahrzehnte Maßstäbe gesetzt und einige der hierdurch geförderten Kinder und Jugendlichen arbeiten heute selbst im journalistischen Bereich. Auch bei uns. Denn Anspruch von JEZT bzw. ZONO Radio Jena bleibt es auch in Zukunft, Nachrichten unabhängig, überparteilich und glaubhaft zu präsentieren.

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Inzwischen stehen auch die Radio Jena/JEZT-Themen der kommenden drei Monate fest. Im September dreht sich alles um das Thema „Bundestagswahl 2017“, im Oktober steht „Vor 500 Jahren: Die Reformation änderte alles“ im Fokus und im November geht es beim Thema des Monats um „Das neue Fußballstadion in Jena“.





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