„War es Geldgier?“ – Nach Tod einer Seniorin wurde Anklage gegen ehemaligen Nachbarn erhoben

14.08.19 • JEZT AKTUELL, NEWSCONTAINER, POLITIK & URBANES LEBEN, START, UNSER JENAKommentare deaktiviert für „War es Geldgier?“ – Nach Tod einer Seniorin wurde Anklage gegen ehemaligen Nachbarn erhoben

Polizeieinsatz in der Max-Steenbeck-Straße. – Foto © MediaPool Jena

(red) – Die Geraer Staatsanwaltschaft hat nach Angaben ihres Sprechers Anklage wegen Mordes gegen einen 24-jährigen Mann erhoben, der vor acht Jahren aus Afghanistan nach Deutschland gekommen war. Im Januar dieses Jahres soll der Mann eine Nachbarin in der Max-Steenbeck-Straße in Jena-Winzerla getötet haben.

Die Ermittlungen der Jenaer Kriminalpolizei hätten nach dem Worten von Behördensprecher Sven Schroth ergeben dass die betagte, gleichsam aber noch rüstige Seniorin Ursula P., den Flüchtling über längere Zeit hin und wieder finanziell unterstützt habe. Die Anklage der Staatsanwaltschaft gehe davon aus, dass dem 24-jährigen Navid R.* diese gelegentliche Hilfe nicht ausgereicht habe, weshalb er am 10. Januar 2019 die 87-Jährige zuerst misshandelte und schließlich tötete.

Nach Angaben der Rechtsmedizin wies der Leichnam neben massiven Verletzungen des Halses, Kopfes und des vorderen Brustkorbs sowie Arm- und Beinverletzungen, die durch Schläge hergerührt hätten, zudem Stichverletzungen auf. Aufgrund der rechtsmedizinischen Befunde und durch Zeugenaussagen habe der Todeszeitpunkt auf zwischen 11:45 und 14:00 Uhr am Tattag eingegrenzt werden können.

Da die Tochter des Opfers bereits am 11. Januar bei der Polizei eine Vermisstenmeldung aufgegeben hatte, suchten Polizeibeamte der LPI Jena im Wohnhaus gegenüber des Columbus Centers sofort intensiv nach der Seniorin ab und fanden deren Leiche schließlich in der Nacht zum 12. Januar verborgen in einem Koffer im Keller des Mehrfamilienhauses Max-Steenbeck-Straße 1 (wir berichteten). Da man den Nachbarn routinemäßig befragen wollte, dieser aber verschwunden war, fiel der Tatverdacht schnell auf den 24-jährigen Mann aus Afghanistan. Dessen Handy ortete die Polizei am 12. Januar 2019 im Erfurter Stadtzentrum und griff zu.

Inzwischen würden DNA-Spuren an dessen Kleidung den Verdacht gegen den Mann erhärten, wie Schroth am Montag erklärte. Ebenso bestätige ein gefälschter Überweisungs­träger, den der Angeschuldigte ausgefüllt und nach der Tat bei der Sparkasse eingeworfen haben soll, den Tatverdacht der Habgier. Durch ihn hätten 7000 Euro vom Konto des Opfers auf das des Tatverdächtigen transferiert werden sollen, so der Behördensprecher.

Nun liegt es am Geraer Landgericht, über die Eröffnung des Hauptverfahrens gegen Navid R.* zu entscheiden. Beginnen könnte der Prozess bereits Ende 2019; im Falle einer Verurteilung droht dem 24-Jährigen eine lebenslange Freiheitsstrafe.


* = Name von der Redaktion geändert!





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