„Ist das Kunst … oder darf ich darauf rumklettern“: Stadt sorgt für Kinder-Sicherheit an 72HUA-Brunnenkonstruktion

09.05.19 • JEZT AKTUELL, KULTUR & BILDUNG, NEWSCONTAINER, POLITIK & URBANES LEBEN, START, UNSER JENAKommentare deaktiviert für „Ist das Kunst … oder darf ich darauf rumklettern“: Stadt sorgt für Kinder-Sicherheit an 72HUA-Brunnenkonstruktion

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(red) – Mit der Kunst ist das so eine Sache. Den einen gefällt’s, andere regen sich darüber auf: gemeint ist das jeweilige Kunstobjekt. Soll man es still betrachten oder für das eigene Pläsier nutzen? Umso mehr, wenn es zum aktiven Mitmachen geradezu verführt, wie die am Samstag fertig gestellten Hozlattenkonstruktion inmitten von zwei großen Betonsäulenresten eines alten Brunnens in Neulobeda-West.

Entstanden im Rahmen von 72 Stunden urbaner Aktion oder 72HUA, wie sich das Mitbaufestival nannte, stand die Kunstinstallation nach dem Abschluss des „Bau auf, bau auf“-Projektes am Sonntag, Montag und Dienstag etwas vereinsamt in der Plattenbau-Landschaft und wurde von Kindern als vermeintlich neuer Spielplatz genutzt. Das aber ist nicht so ohne Weiteres möglich, wenn die potentiellen Gefahren bedenkt; man kennt das von offiziellen Spielplätzen oder Kletterhallen: Ist erst einmal etwas passiert, ist das Geschrei – im wahrsten Sinne des Wortes – groß.

Also sicherte die Stadt Jena nach Rücksprache mit dem Eigenbetrieb JenaKultur am Mittwoch die „Bau-auf-stelle“ und entfernte … nicht das Kunstwerk sondern zwei große Betonsäulen. Eine Frevelei, wie der Soziologe Robert Jende von der Hochschule für Angewandte Sozialwissenschaften München (der das Festival als wissenschaftlicher Mitarbeiter begleitet hatte) der Ostthüringer Zeitung sagte. „Mit dieser Aktion ist das Kunstwerk zerstört worden“, so Jende. Sein Vorwurf: Sicherheitsbedenken seien von „regulierenden Verwaltungsorganen vorgeschoben“, die ganze Aktion „ein Tiefpunkt lokaler Demokratie“ in Zeiten, in denen das Vertrauen in politische und administrative Institutionen ohnehin schon schwer beschädigt sei.

Verständnis zeigten dagegen Eltern und Horterzieher aus Neulobeda. Zwar seien die Betonsäulen des früheren Brunnens über Jahre von Kindern beklettert worden, ohne dass etwas passiert war. Nun überragten die Holzlatten mit symetrischen Kletterelementen – nochmals: es ist kein Spielgerät sondern eine Kunstinstallation – die Betonsäulen und führten so dazu, dass ein abrutschendes Kind direkt auf Betonsäulen und -kanten stürzen kann, was bei der Stadt niemand verantworten wollte. Auch nicht der sowohl für Denkmale als auch Kunst zuständige Werkleiter Jonas Zipf vom Eigenbetrieb Kultur und Marketing als Mitorganisator von 72HUA. Zipf versicherte gleichzeitig, dass alle Kunstwerke der Aktion bis Sommer stehen bleiben sollen.





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